Tristan und Isolde

→ Handlung in drei Aufzügen
Musik & Text Richard Wagner

Premiere 14. April 2022

Premierenserie 14. / 18. / 22. / 27. April und
1. Mai 2022

Einführungsmatinee 3. April 2022

Musikalische Leitung Philippe Jordan

Tristan Andreas Schager
Isolde Martina Serafin
König Marke René Pape
Brangäne Ekaterina Gubanova
Kurwenal Iain Paterson
Melot Clemens Unterreiner
Stimme eines jungen Seemanns Josh Lovell
Steuermann Martin Häßler
Hirt Daniel Jenz

Inszenierung Calixto Bieito
Bühne Rebecca Ringst
Kostüme Ingo Krügler
Licht Michael Bauer
Dramaturgie Nikolaus Stenitzer
Bühnenbildassistenz Annett Hunger

Am Steuer eines Schiffes steht Tristan, der Adoptivsohn König Markes von England. Tristan bringt Isolde, die Königstochter der unterworfenen Iren, nach England. Dort wird er sie mit dem verwitweten Marke verheiraten, um das Bündnis beider Völker – und seine eigene Machtposition – zu stärken. An Bord hält er sich von Isolde fern. Statt ihr mit gebührendem Respekt zu begegnen, lässt er sie in einem Spottlied verhöhnen, in das die gesamte Mannschaft einstimmt. Isolde enthüllt ihrer Vertrauten Brangäne die Vorgeschichte: Im Krieg hatte Tristan Isoldes Verlobten Morold erschlagen. Aus dem Zweikampf hatte er aber eine vergiftete Wunde davongetragen. Der sieche Tristan ließ sich in einem Boot vor Irlands Küste aussetzen, um sich als Spielmann »Tantris« in Isoldes Pflege zu begeben, denn nur von ihrer Heilkunst konnte er Gesundung hoffen. Isolde erkannte in ihm den Mörder ihres Verlobten und war dennoch nicht fähig, Rache zu nehmen, als der Kranke ihr in die Augen sah. Der geheilt entlassene »Tantris« kehrte unter seinem wahren Namen als Brautwerber König Markes zurück. Die geschlagenen Iren hatten keine Wahl, als diesen Antrag anzunehmen. Als Brangäne auf die von ihr mit an Bord geschmuggelten Zaubertränke verweist, mit deren Hilfe vielleicht alles zum Guten zu wenden wäre, beschließt die tief gedemütigte Isolde, Tristan und sich selbst zu vergiften. Doch statt des Giftes wird Brangäne den beiden Todfeinden einen Liebestrank reichen, der sie zu Wonnen und Qualen unstillbarer Sehnsucht verdammt.

Richard Wagner schuf mit dieser Oper das Schlüsselwerk der musikalischen Romantik, wie sie von E. T. A. Hoffmann beschworen wurde: »Glühende Strahlen schießen durch dieses Reiches tiefe Nacht, und wir werden Riesenschatten gewahr, die auf- und abwogen, enger und enger uns einschließen und uns vernichten, aber nicht den Schmerz der unendlichen Sehnsucht.« Zugleich stieß Wagner das Tor zur musikalischen Moderne auf, denn durch die Verselbständigung der Chromatik und die Emanzipation der Dissonanz wird der harmonischen Spannung – sinnbildlich für die erotische Spannung – die Auflösung verweigert. Diese wird erst im Liebestod erreicht, in dem die sterbende Isolde die Auferstehung des toten Tristan halluziniert.

Calixto Bieito, einer der prägenden Musiktheaterregisseure der letzten Dekaden, setzt sich erstmals mit diesem Werk auseinander. Seine Arbeiten thematisieren stets die kreatürliche, todverfallene Leiblichkeit seiner Akteure. Es dürfte spannend werden, diese im Kampf mit dem Wagner’schen Tristan-Theorem zu erleben.

 

SPOTIFY-PLAYLIST ZUR EINSTIMMUNG



Über die Playlist

„233 Minuten Musik, die süchtig machen“, resümierte Spiegel-Redakteur Klaus Umbach, als 1982 endlich die Tristan-Aufnahme unter Carlos Kleiber erschien. Wie Furtwänglers legendäre Aufnahme von 1952 mit Kirsten Flagstad und Ludwig Suthaus ist sie längst „Kult“. Zwischen diesen beiden Polen finden sich einige herausragende Tristan-Dokumente: aus Bayreuth die 1952er Aufführung mit der Konstellation Karajan-Mödl-Vinay und Karl Böhms vorwärtsdrängend-dramatische Lesart mit dem Traumpaar Nilsson-Windgassen von 1966.

Dass es neben der Nilsson noch ein Stimmphänomen gab im hochdramatischen Fach hört man in einem Mitschnitt aus der Wiener Staatsoper von 1956: Gertrude Grob-Prandl. Auch für die größten Sänger des Tristan muss man mit der Zeitmaschine weit zurückgehen: Lauritz Melchior ist als Heldentenor genauso eine Klasse für sich wie Caruso im italienischen Fach, Max Lorenz bleibt schon durch die schier überbordende Expressivität seines Singens eine Ausnahmeerscheinung unter allen Wagner-Tenören des 20. Jahrhunderts.

Etwas im Schatten berühmterer Aufnahmen (wie der Münchner Live-Produktion unter Leonard Bernstein und der Studio-Aufnahme unter Antonio Pappano mit Placido Domingo und Nina Stemme) steht die britische Produktion unter Reginald Goodall, die mit John Mitchinson und Linda Esther Gray hervorragende Sänger bietet.
Ein Unikat ist Christa Ludwigs Aufnahme vom „Liebestod“ unter Otto Klemperer. Sie hätte liebend gern Isolde und Brünnhilde gesungen, schreckte aber davor zurück: „Dafür braucht man Stimmbänder wie die der Nilsson“.  Doch was für ein reicher voller Klang, den diese Stimme verströmt!

Als Bonus gibt es die „Love Music“, eine von Leopold Stokowski arrangierte Tristan-Suite, die seinem Ruf als Klangzauberer alle Ehre macht.

 

Liebe oder Sehnsucht? Was treibt die Figuren um?

Schwierige Frage. Ich denke, es ist in erster Linie die Sehnsucht, die Tristan antreibt. Im Gegensatz zu z.B. Lohengrin oder Samson sagt Tristan ja kein einziges Mal die berühmten Worte: »Ich liebe dich«. Wobei man Liebe und Sehnsucht schwer trennen kann. Das Gefühl der Sehnsucht kennt jeder, der seiner geliebten Partnerin / seinem geliebten Partner ferne ist. Die Entfernung von Tristan und Isolde ist eine gesellschaftliche. Sie sind einander unerreichbar, selbst wenn sie sich körperlich nahe sind. Der Versuch, die gesellschaftliche Ordnung aufzuheben, endet für beide letztendlich tödlich.


Das angesprochene Unbewusste, das im Tristan große Bedeutung hat: Inwiefern spielt Ihr Unbewusstes, Unterbewusstes bei einer Interpretation eine Rolle?

Im Allgemeinen versuche ich immer meine eigene Person hintanzustellen und wie ein leeres Gefäß zum Beginn der Proben zu kommen. Nach und nach füllt sich dieses Gefäß und der Charakter der Figur wird sichtbar. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie unter- schiedlich, aber auch reicher die Rolle bei jeder Inszenierung und musikalischer Interpretation wird. Und gerade in der oft überbordenden Gefühlswelt bei Tristan und Isolde finden sich viele bewegende Momente. So zum Beispiel die tiefe Enttäuschung der Vaterfigur König Markes, als er bemerkt, dass er von den beiden Menschen, die er am meisten liebt, hintergangen wurde. Ich denke, jedesmal wenn den Darsteller oder den Zuseher etwas bewegt, meldet sich das Unterbewusstsein.


Wagner stellte in einem Brief fest, dass er selbst Tristan und Isolde immer weniger begreifen könne. Ist das Marketing? Oder kann etwas wie Tristan nie ganz begriffen werden?

Diese Aussage Wagners hat für mich Sinn, denn man sieht ein und denselben Stoff oft mit den Jahren, auf Grund seiner Lebenserfah- rungen, völlig unterschiedlich. Schon Heraklit bemerkte »Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen«. Das heißt, selbst wenn man genau das gleiche zu einem späteren Zeitpunkt wieder macht, ist es anders und man kommt zu anderen Schlüssen. »Panta rhei« (Alles fließt).