Wozzeck

→ Oper in drei Akten
Musik & Text Alban Berg nach Georg Büchner

Premiere 21. März 2022

Premierenserie 21. / 24. / 27. / 31. März 2022
und 3. April 2022

Einführungsmatinee 13. März 2022

Musikalische Leitung Philippe Jordan
Wozzeck Christian Gerhaher
Marie Anja Kampe
Tambourmajor Sean Panikkar
Hauptmann Jörg Schneider
Doktor Dmitry Belosselskiy
Andres Josh Lovell
1. Handwerksbursch Peter Kellner
2. Handwerksbursch Stefan Astakhov
Narr Thomas Ebenstein
Margret Christina Bock

Inszenierung Simon Stone
Bühne Bob Cousins
Kostüme Alice Babidge
Licht James Farncombe
Dramaturgie Andreas Láng & Oliver Láng
Regieassistenz Robin Ormond

Alban Bergs Wozzeck erzählt die Geschichte einer gepeinigten Kreatur, die, von Visionen und Ängsten bedrängt, von der Gesellschaft verlacht und gequält, aus ihrer Existenz getrieben wird. Bis es zur finalen Katastrophe kommt: Der Verzweifelte ermordet seine Geliebte und findet den Tod im Wasser. Bergs maßstabsetzende Oper basiert auf einem Dramenfragment Georg Büchners (1836 / 37), in dem dieser die Ausweglosigkeit des Menschen angesichts der ihn bestimmenden Umstände beschreibt: Ein einfacher Soldat wird zum Opfer der pathologischen Boshaftigkeit seiner Mitmenschen, muss sich aus sozialer Not unterwerfen, geht im Wahn verloren und scheitert auch an der Untreue der Mutter seines Kindes.

Als Berg 1914 in Wien das Stück bei einer Theateraufführung erlebte, fasste er rasch den Entschluss, den beklemmenden Stoff zu vertonen. Die Arbeit – unterbrochen unter anderem durch den Ersten Weltkrieg – zog sich allerdings in die Länge. Erst 1925 wurde Wozzeck in Berlin unter Erich Kleiber exemplarisch uraufgeführt, fünf Jahre später erfolgte die Erstaufführung an der Wiener Staatsoper unter Clemens Krauss. Rasch entwickelte sich das Werk (bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten) zum Repertoirestück. Dass Wozzeck in den Premierenzyklus der Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper 1955 aufgenommen wurde, unterstreicht den Ausnahmecharakter dieses Werks. Oder, wie der zeitgenössische Komponist Wolfgang Rihm einmal meinte: »Eine Jahrhundertoper!«

Wozzeck gilt als die erste große vollständig atonale Oper. In einer Zeit des musikalischen Umbruchs kann sie als Pionierwerk des musikalischen Theaters verstanden werden, das die Ausführenden herausforderte und das Publikum zu einem erneuerten Hören und Verstehen verführte. Berg spannt in seinem Wozzeck ein engmaschiges Netz aus historischen Verweisen und Formmodellen vom Barock bis zur Spätromantik, voller nuancierter kammermusikalischer Feinheiten, im Kontext einer ebenso unmittelbar packenden wie verstörenden hochexpressiven Klangsprache, die auch eine differenzierte Singstimmenbehandlung umfasst. Dies alles nicht, um neue Wege um der neuen Wege willen zu ergründen, sondern um Büchners Drama möglichst präzise in Musik zu setzen. So ist Wozzeck eine Symbiose aus psychologischer Analyse, sozialem Aufschrei und höchstpersönlichem künstlerischen Ausdruck: Das »erste Modell einer Musik des realen Humanismus«, wie Adorno es formulierte.

 

SPOTIFY-PLAYLIST ZUR EINSTIMMUNG



Über die Playlist

Erstaunlich ist die Vielfalt der Aufnahmen des Wozzeck, eines Werkes, das heute noch moderner wirkt als vieles was danach komponiert wurde.
Die allererste Gesamtaufnahme, der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung aus New York, von 1951 ist vor allem wegen Dimitri Mitropoulos am Pult und der Marie von Eileen Farrell interessant (sie sang Berg, Bach und Wagner mit derselben Souveränität wie Gershwin und Blues). In der Boulez-Aufnahme von 1963 beeindrucken Walter Berry in der Titelrolle und der ungemein prägnante Karl Dönch als Doktor.

Der zentrale Dirigent der Aufführungsgeschichte des Wozzeck ist Karl Böhm: er dirigierte das Werk erstmals 1931 als Generalmusikdirektor in Darmstadt, setzte sich nach dem Ende des NS-Regimes unermüdlich für Aufführungen ein. Er brachte das Wozzeck 1949 am Teatro San Carlo in Neapel heraus, 1951, 1971 und 1972 bei den Salzburger Festspielen, in den frühen 1950er Jahren im Teatro Colón in Buenos Aires, 1955 an der Wiener Staatsoper, 1959 an der Metropolitan Opera und 1964 an der Deutschen Oper Berlin. Für seine Einspielung mit Dietrich Fischer-Dieskau und Gerhard Stolze (1964) erhielt er einen Grammy Award. Von seiner Aufführung an der Met finden Sie zwei Ausschnitte am Ende der Playlist.

Ähnlich eindrucksvoll wie Böhms Aufnahmen ist die Leipziger Produktion unter Herbert Kegel: Theo Adam und Gisela Schröter treffen genau die „richtige“ Mischung von Singen und Deklamation. Welcher Reichtum an Farben und Formen im Orchesterpart des „Wozzeck“ steckt, und welch breites Spektrum sie an Interpretationsmöglichkeiten bietet, hört man in den Lesarten von Christoph von Dohnanyi, Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Ingo Metzmacher und Sebastian Weigle.

 

»Was Alban Berg zu einem der größten Opernkomponisten des 20. Jahrhunderts macht, ist seine faszinierende Begabung für die Bühne und sein unglaubliches theatrales Denken. Nicht nur in Bezug auf die Vertonung eines Textes, sondern auch, was sein Gespür für Aufbau und Struktur anbelangt. Er wusste, dass es, gerade bei einem damals neuen und für viele vielleicht auch verst.renden musikalischen Vokabular eine präzise Architektur braucht, um die Abgründe des Musikdramas adäquat auszuleuchten und dem Publikum eine Orientierung auf der musikalischen Landkarte zu geben. Durch den Rückgriff auf historische Formen – ähnlich Benjamin Britten – konnte sich Berg eines formalen Rahmens versichern, den die Zuhörerinnen und Zuhörer vielleicht nicht aufs erste Hören verstanden, aber stets gespürt haben. Gleichzeitig öffnete er mit seinen sensationellen Zwischenspielen Seelenräume, die das Innenleben der Figuren noch deutlicher, ergreifender und eindringlicher offenbaren.«