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© Jiyang Chen

Ein Fest der Liebe

Ein Fest der Liebe

Diana Damrau im Gespräch mit Andreas Láng

Das Programm dieses Liederabends ist äußerst vielfältig und spannt einen weiten Bogen: Wie kam es zu dieser abwechslungsreichen Zusammenstellung?

Diana Damrau: Der Grundgedanke war, Frauenliebe und -leben mit einer Gruppe spanischer Lieder in Beziehung zu setzen. Ursprünglich dachte ich sogar daran, einen kompletten spanischen Abend auf die Beine zu stellen, aber dann kam Corona und die mit dieser Pandemie einhergehenden Einschnitte in unser aller Leben. Man ist einander durch die notwendigen Beschränkungen – trotz mancher dadurch unter Umständen aufgetretenen Reiberein – näher gerückt. Und da fand ich es an der Zeit, den wunderbaren Schumann-Zyklus, der schon lange auf meiner Wunschliste stand, ebenfalls in den Fokus zu rücken. Denn all das, was in diesen Liedern so schön herausgearbeitet ist, konnten viele in diesen Monaten intensiver erfahren: was nämlich wahre, echte, tiefe Liebe für unser Leben bedeutet beziehungsweise mit sich bringt. Vielleicht würden wir uns heute sprachlich etwas anders ausdrücken, aber die transportierten Gefühle sind unverändert.

Eingerahmt werden diese beiden Blöcke von weiteren Liedern Clara und Robert Schumanns respektive von Richard Strauss.

DD: Passt doch auch sehr schön (lacht): Am Anfang steht das durch Liebe verbundene Musiker- und Komponistenehepaar – den Liederkreis Myrthen, aus dem wir die Widmung bringen, hat Robert ja seiner Clara zur Hochzeit geschenkt. Und Strauss musste einfach sein! Von ihm habe ich Beispiele gesucht, die als Gruppe inhaltlich ebenfalls eine Art Frauenliebe und -leben ergeben.

Ursprünglich wollten Sie aber einen kompletten spanischen Abend gestalten?

DD: Mich hat nie nur das deutsche Lied interessiert, sondern der gesamte europäische Reichtum auf diesem Gebiet, bis hinein ins tiefe Russland. Und spanische Lieder begleiten mich darüber hinaus seit meiner Studienzeit. Die Schöpfungen Fernando Obradors fand ich beispielsweise immer schon sehr spannend, da es sich um überlieferte Volkslieder handelt, die er mit wunderbaren, zum Teil für den Pianisten herausfordernden Klaviersätzen versehen hat – dadurch blieb uns ein Stück Kulturgut erhalten. Die Obradors waren meine Idee, die übrigen Komponisten, also Rodrigo, Granados und Turina hat Helmut Deutsch aus seiner reichhaltigen Sammlung beigesteuert – da habe ich ebenfalls aus dem Vollen schöpfen können.

Aber auch hier geht es durchwegs um Liebe.

DD: Natürlich, vielleicht auf eine etwas leichtere, spritzigere Art – manches ist sogar ausgesprochen witzig. Anderes wie Obradors »Con amores, la mia madre« ist aber dann doch wieder sehr lyrisch: Bei diesem Lied handelt es sich um eine Art Wiegenlied, um ein Wiegenlied eines bereits Erwachsenen, der sich an die Wärme und Geborgenheit aus seiner Kinderzeit erinnert. Auf jeden Fall ist die Textausdeutung hier genauso wichtig wie bei Schumann und Strauss. Übrigens: Sowohl »Tu pupila es azul« von Turina als auch Obradors‘ »El vito« müssen mit einem andalusischen Akzent gesungen werden – da habe ich mich extra briefen lassen. Wenn also ein paar Konsonanten zu fehlen scheinen, ist nicht meine schlechte Aussprache schuld, sondern der geforderte Dialekt.

Viele Sängerinnen und Sänger erzählen, dass das Lampenfieber bei einem Opernauftritt nach den ersten Tönen aufhört – man ist dann quasi in der Rolle. Bei einem Liederabend handelt es sich aber letztlich um lauter kleine Rollen – wird da die Nervosität von Lied zu Lied neu angefacht?

DD: (lacht) Natürlich hat man bei einem Solo-Konzert nicht die Möglichkeit, so oft abzugehen, sich auszuruhen, ein Kostüm zu wechseln etc. wie bei einer Opernvorstellung. Und ich wähle außerdem mittendrin immer wieder bewusst mich herausfordernde Lieder aus. Andererseits freut man sich auf jedes neue Lied, das man dem Publikum präsentieren möchte. Jeder Auftritt ist ja Kommunikation mit den Zuhörern, man erlebt gemeinsam die Geschichten, die Atmosphäre der einzelnen Werke. Bei manchen Liedern suche ich mir sogar jemanden im Saal, um ihn oder sie bewusst anzusingen.

Besteht da nicht die Gefahr, dass man dem Affen Zucker gibt?

DD: Das kann natürlich schon passieren. Aber das drückt nur die Freude aus, dass das Auditorium mitgeht. Insbesondere jetzt ist die Freude besonders groß, weil wir endlich wieder live vor Menschen singen dürfen – für mich wird der Abend somit sicher zum Riesenfest.