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VON DER LIEBE TOD

DAS KLAGENDE LIED. KINDERTOTENLIEDER.

Das klagende Lied
→ Märchenspiel für Soli, gemischten Chor und großes Orchester
Musik Gustav Mahler
Text Gustav Mahler nach Ludwig Bechstein und den Brüdern Grimm


Kindertotenlieder
Musik Gustav Mahler
Text Friedrich Rückert

Premiere 29. September 2022

Premierenserie 29. September 2. / 5. / 7. / 10. / 13. Oktober 2022 

Einführungsmatinee 18. September 2022

Zweite Serie 6. / 8. / 11. / 16. Mai 2023


Musikalische Leitung Lorenzo Viotti
Inszenierung Calixto Bieito
Bühne Rebecca Ringst
Kostüme Ingo Krügler
Licht Michael Bauer
Bühnenbildassistenz Annett Hunger 

Sopran Vera-Lotte Boecker
Alt Tanja Ariane Baumgartner
Tenor Daniel Jenz
Bariton Florian Boesch
 

Informationen & Karten 

Der von Lorenzo Viotti dirigierte und von Calixto Bieito in einem Raum von Rebecca Ringst inszenierte Musik- theaterabend verbindet zwei Schlüsselwerke Gustav Mahlers. Auf die frühe Märchenkantate des 19-jährigen Das klagende Lied (1879/80) folgen die späten Kindertotenlieder aus der ersten Hälfte seines letzten Lebensjahrzehnts (1901/04).

Im Klagenden Lied, einem Hybrid aus Lied, Symphonik und Chorkantate, sind in schöpferischer Auseinander- setzung mit dem Musikdrama Richard Wagners auch eine Reihe nie realisierter Opernpläne des Konservatoriums- absolventen aufgegangen. So knüpfte der junge Komponist an die beiden harmonisch und instrumentationstechnisch avanciertesten Ring-Partituren Siegfried und Götterdämmerung ebenso an wie an archaisierende Intonationen der Meistersinger, und schuf, auch als sein eigener Textdichter, einen weit ausgreifenden Märchenkosmos voll offener und versteckter Anspielungen auf Wagners Mythenwelt. Motive aus den Kinder- und Hausmärchen (1812—1858) der Brüder Grimm sowie aus Ludwig Bechsteins Neuem deutschen Märchenbuch (1865) verflicht Mahler zur Ballade »vom singenden Knochen«.

Im ersten Satz, dem Waldmärchen, wird berichtet, dass der Stolz der männerhassenden Königin nur durch den Fund einer roten Blume gebrochen werden kann. Zwei Brüder machen sich auf die Suche. Der jüngere glückliche Finder wird vom älteren im Schlaf unter einem Weidenbaum erschlagen. Im zweiten Satz, Der Spielmann, findet ein fahrender Spielmann einen Knochen des Toten, aus dem er eine Flöte schnitzt; als der Spielmann sie an seine Lippen setzt, beginnt sie, Klage und Anklage des Ermordeten zu singen:


Ach Spielmann, lieber Spielmann mein,
das muss ich dir nun klagen
Um ein schönfarbig Blümelein
Hat mich mein Bruder erschlagen
Im Walde bleicht mein junger Leib!
Mein Bruder freit ein wonnig Weib!


Im dritten Satz, dem Hochzeitsstück, lässt der Spielmann den singenden Knochen sein Lied auf dem Hochzeitsfest der Königin mit dem älteren Bruder singen. Die Entlarvung des Mörders bringt die Mauern des glänzenden Schlosses zum Einsturz.

Mahler betrachtete das Klagende Lied als sein eigentliches, vollgültiges »Opus 1«, in dem er zu seinem unverwechselbaren Ton gefunden hatte und für dessen Aufführung er sich auch nach Ablehnung der Partitur durch die Jury des von der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde ausgelobten Beethoven-Preises nachdrücklich einsetzte:

Er überarbeitete seine Partitur in mehreren Angängen, bis er das solistisch, chorisch und instrumental gewaltig besetzte, ursprünglich unter anderem 6 Harfen und ein Fernorchester zum Einsatz bringende Werk — in einer um den ersten Satz gekürzten Fassung — am 17. Februar 1901 in Wien unter seiner persönlichen musikalischen Leitung zur Uraufführung bringen konnte. Im Rahmen unseres Projekts wird die vollständige einstündige Urfassung erklingen.

Auf den Zusammenbruch der auf Lüge und Mord errichteten Welt des Klagenden Lieds, der — anders als der Brand Walhalls in der Götterdämmerung — von keinem musikalischen Hoffnungsmotiv verklärt wird, folgt der Zyklus der Kindertotenlieder. Mahler wählte aus der gleichnamigen 428 Gedichte umfassenden Sammlung Friedrich Rückerts (1833 / 34) fünf Texte aus und verdichtete sie zur ebenso intimen wie erschütternden Klage eines Vaters um seine verlorenen Kinder. Diese ist in den ersten vier Liedern in abgründig-bohrender kammermusikalischer Reduktion gestaltet. Das fünfte und letzte Kindertotenlied, das einzige, das sich zu symphonisch-orchestraler Faktur aufschwingt, schlägt auch inhaltlich den Bogen zurück an den Anfang unseres Abends; »langsam, wie ein Wiegenlied« ist sein Schluss zu musizieren: als Versuch, die stolze, abweisende Königinnengestalt, deren Verweigerung symptomatisch war für eine todverfallene kalte Welt, abzulösen und wenigstens die Verstorbenen ruhen zu lassen »als wie in der Mutter Haus«.

 

SPOTIFY-PLAYLIST ZUR EINSTIMMUNG



Über die Playlist

Die Mahler-Playlist bietet interessante Vergleiche: Die „Kindertotenlieder“ in berühmten Aufnahmen von Mezzosopranistinnen und Baritonen, das „Klagende Lied“ in den Versionen unter Pierre Boulez, Riccardo Chailly und Cornelius Meister.

 

Ach, für mich gibt es schon lange keinen Altar mehr, nur stumm und hoch steht über mir der Tempel Gottes, der weite Himmel. — Ich kann ja nicht hinauf, und möchte so gerne beten. Statt der Choräle und Hymnen brüllen Donner, und statt der Kerzen flattern Blitze.
Gustav Mahler, 1879


Mein Märchenspiel ist endlich vollendet — ein wahres Schmerzenskind, an dem ich schon über ein Jahr arbeite. — Dafür ist es aber etwas Rechtes geworden.
Gustav Mahler, 1880
 

Aber keine Musik ist etwas wert, von der man dem Hörer zuerst berichten muss, was darin erlebt ist — respektive was er zu erleben hat. [...] Man muss eben Ohren und ein Herz mitbringen — und nicht zuletzt — sich willig dem Rhapsoden hingeben. Ein Rest Mysterium bleibt immer — selbst für den Schöpfer!
Gustav Mahler, 1900