Volksoper Wien Premieren

»Wir haben die Bibel auswendig gelernt, ohne etwas davon zu verstehen. Geht einem dann später ein Licht auf, so hat man bereits das ganze Material, das dann plötzlich lebendig wird.« Johannes Brahms

 

Wie aus einer anderen Welt dringt eine dunkel-glühende Stimme an unser Ohr, in ihrer brennenden Zuversicht voller Hoffnung und doch eingetrübt mit Dissonanzen, als wären es Stiche mitten hinein ins Herz: »Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.« Von Johannes Brahms’ »Deutschem Requiem« zeigte sich bereits Clara Schumann kurz nach Vollendung der Partitur überwältigt und fand Worte an den jungen Freund, die noch heute den Eindruck, den diese Komposition macht, treffen: »Ich bin ganz und gar erfüllt von Deinem Requiem, es ist ein ganz gewaltiges Stück, ergreift den ganzen Menschen in einer Weise, wie wenig anderes. Der tiefe Ernst, vereint mit allem Zauber der Poesie, wirkt wunderbar, erschütternd und besänftigend.«

Martin Schläpfer ließ sich von Brahms’ Komposition 2011 zu einem abendfüllenden Tanzstück inspirieren, in welchem er sich im intensiven Dialog mit der Partitur und den in ihr vertonten Texten aus dem Alten und Neuen Testament mit seiner einzigartigen, so körperlichen und doch so fragilen Kunst hinein in ein Suchen und Forschen nach den letzten Fragen des Menschseins begibt.

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Alexei Ratmansky entfaltet in seinen »24 Préludes« auf hinreißende Weise die emotionale Palette verschiedener Beziehungen. Andrey Kaydanovskiy, Tänzer des Wiener Staatsballetts und längst ein gefragter Choreograph, sucht für sein neues Tanzstück die Begegnung mit dem vielseitigen Musiker und Komponisten Christof Dienz, der mühelos zwischen den Stilen zu balancieren versteht für eine Musik, die »intuitiv und körperlich« ist. »In Sonne verwandelt« nennt Martin Schläpfer seine Uraufführung zu Beethovens 4. Klavierkonzert – Musik, in der er Bilder voller Wärme und Weichheit sieht.

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Anne Teresa De Keersmaeker ließ sich von der freien Kontrapunktik in Beethovens Streichquartett op. 133 zu ihrer Choreographie »Große Fuge« inspirieren, mit der das Wiener Staatsballett nun erstmals ein Werk der großen belgischen Tanzkünstlerin präsentiert. Eine neue Farbe ins Repertoire bringt aber auch Merce Cunningham. In seinen »Duets« kontrapunktiert er seine eigene, postmoderne Bewegungssprache mit typischen Formen des Balletts. Ein Klassiker der Moderne ist Hans van Manen. In seinen »Four Schumann Pieces« werden wir Zeugen der emotionalen Zustände eines Mannes – seiner Wünsche, Ängste und Leidenschaften.

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Die Entwicklung einer eigenen Choreographie vom ersten Einfall bis zur Premiere birgt zahlreiche Herausforderungen. Mit dem neuen Format »Plattform Choreographie« bietet Martin Schläpfer Tänzerinnen und Tänzern des Wiener Staatsballetts, die sich für die choreographische Arbeit interessieren, ab der Spielzeit 2021/22 einmal im Jahr die Chance, ihre eigenen Ideen im professionellen Rahmen eines komplexen Theaterbetriebs mit all seinen Gewerken zu entwickeln und in der Volksoper Wien dem Publikum zu präsentieren. »Ich stelle mir eine Plattform vor, in der junge Künstlerinnen und Künstler geschützt üben dürfen und können«, so der Direktor des Wiener Staatsballetts. »Sollte ab und zu ein Choreograph aus diesem der Stuttgarter Noverre-Gesellschaft ähnlichen Projekt entwachsen – umso besser. Primär geht es mir aber nicht nur darum. Vielmehr möchte ich, dass meine Tänzerinnen und Tänzer erfahren, dass die Kunst des Kreierens das Größte sein kann, etwas, das das Künstler-Sein zu einer großartigen Lebensaufgabe macht.«

Das Publikum erwartet eine Aufführung in der Volksoper, die zeigt, welch kreatives Potential in den Tänzerinnen und Tänzern des Wiener Staatsballetts steckt, für welche Ästhetiken und Themen sich die junge Generation interessiert und wie sich ihre Wahrnehmung der Welt in der Tanzkunst niederschlägt.

Gefördert durch den Ballettclub Wiener Staatsballett

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