Manfred Trojahn

Orest

Oper

„…brennend intensiv“ schrieb die Zeit nach der Uraufführung von Manfred Trojahns Orest, von „außerordentlicher Dichte und Farbigkeit“ sprach die FAZ. 2011 in Amsterdam zur Uraufführung gelangt, erzählt Trojahns Orest – das Libretto stammt vom Komponisten – den Mythos des Muttermörders neu. Es geht um den Umgang mit Schuld und Erinnerung, um die Bewältigung der Tat, um Verfolgung und Befreiung. Trojahn packt das äußere Geschehen wie die inneren Bilder Orests in eine ausdrucksstarke Klangwelt, die die Zerklüftetheit seines Daseins eindrucksvoll beschreibt. So ist Orest ein Fliehender und Suchender, der – so Trojahn – nur einen Fehler macht: „Er meint, er könne die Schuld hinter sich lassen – und er wird erst spät bemerken, dass er mit der Schuld zu leben hat, um sie zu überwinden.“

07 April 2019
Sonntag
19:30 - 20:45
Keine Pause
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Besetzung | 07.04.2019

Dirigent Michael Boder
Regie, Bühne und Licht Marco Arturo Marelli
Kostüme Falk Bauer
Bühnenbildassistenz Mario Ferrara
 
Orest Thomas Johannes Mayer
Menelaos Thomas Ebenstein
Apollon/Dyonisos Daniel Johansson
Hermione Audrey Luna
Helena Laura Aikin
Elektra Evelyn Herlitzius
 

Inhalt

Der trojanische Krieg ist vorbei. Orest hat seine Mutter Klytämnestra erschlagen um so den Mord an seinem Vater Agamemnon zu rächen, den diese verübt hat. Der Gott Apollo gebot ihm diesen Muttermord, der nach seinem Gesetz legitim ist.

1. Szene
Nun wird Orest von inneren Stimmen gepeinigt und von den Erinnyen verfolgt, die Bilder der Vergangenheit quälen ihn und in seiner Verzweiflung ruft er nach Apollo. Doch dieser will ihm die Verantwortung für die Schulgefühle nicht abnehmen. 
Orest soll sich an seinen Onkel Menelaos wenden, der bald aus der Schlacht nach Argos zurückkommen wird. Als Anwärter auf den Thron seines gemordeten Bruders Agamemnon sei er auf Frieden in der Stadt angewiesen. So fände er sicher auch Gründe, Orest freizusprechen und ihn zu entsühnen. Apollo verwandelt sich in Dionysos. Mit rätselhaften Worten versucht er Orest zu großem Ruhm zu verlocken, dann kündigt er die heimkehrende Helena an, die schönste aller Frauen, die er für sich begehrt

2. Szene
Helena, die Frau von Menelaos kehrt aus Troja zurück. Die einst Vielbewunderte stößt aber überall auf verschlossene Türen. Elektra, die Schwester von Orest verwünscht sie als Auslöserin des Krieges, welche nur Leid über die Menschen gebracht habe. Sie würde Helena lieber tot als lebendig sehen.
Dem Brauch entsprechend will Helena zum Grab ihrer Schwester Klytämnestra gehen um dort ihre Opfergaben darzubringen. Doch fürchtet sie sich vor dem Hass, welcher ihr in der Stadt entgegenschlägt und bittet nun Elektra, dies an ihrer Stelle zu tun, was diese aber empört zurückweist: Helena soll ihre am Krieg unbeteiligte Tochter Hermione schicken. Während Helenas langen Abwesenheit ist ihr kleines, zurückgelassenes Kind zu einer jungen Frau erblüht. Um ihre Mutter zu beschützen geht sie mit den Opfergaben zum Grab. Elektra ist von Hermiones unschuldiger Anmut fasziniert: "Was man selbst nicht hat sein können, das ist sie!"

3.Szene
Menelaos kommt und drängt Orest mit Elektra zu fliehen, denn die Männer aus Argos haben ihr Urteil schon ohne ihn gefällt: Tod durch Steinigung für beide. Orest berichtet, dass Apollo ihm die Tat befohlen habe, ihn aber jetzt im Stich lässt. Aus politischen Erwägungen erklärt sich Menelaos außerstande den Beiden zu helfen, er will sich als Thronanwärter in der Stadt keine Feinde machen. Menelaos verfluchend  bricht Orest zusammen. Angesichts der Haltung von Menelaos steigert sich Elektra in Gewaltphantasien gegen ihn und Helena, erneut fordert sie Blut der für eine gerechtere Welt. Vor ihrem Fanatismus ergreift Menelaos die Flucht.

4. Szene
Orest und Elektra sind allein. Orest sehnt sich nach Liebe, nach einem anderen Leben und nach einem Ende aller Gewalt. Doch für Elektra kann es keine Liebe geben, bevor nicht Gerechtigkeit herrscht. Während Orest einschläft, trauert Elektra um ihr versäumtes Leben und vertraut der Nacht ihre tiefe Verzweiflung an. Orest träumt von den Ruhmesverheißungen von Dionysos und frägt sich, ob er dafür weiter morden muss? Elektra nutzt die Gefühlslage von Orest um ihn zu weiteren Morden anzustacheln, er soll Helena hinrichten und auch Hermione töten.

Intermezzo und 5. Szene
Der Krieg hat in allen Menschen seine tiefen Spuren hinterlassen, außer bei Hermione. Auf dem Trümmerfeld klagt sie über die zerstörte Welt und die hasserfüllte, verrohte Gesellschaft, in der sie leben muss und frägt sich, wie der Kreislauf von Tat, Rache und Urteil zu durchbrechen wäre.
Mit ihrer Mutter möchte sie sich vor dem Hass der Welt verbergen. Von Elektra angestachelt tötet Orest Helena. Entsetzt konfrontiert Hermione Orest mit der Sinnlosigkeit seiner Tat. Beider Blicke treffen sich.

6. Szene
Die Männer aus Argos kommen um das Urteil zu vollstrecken. Elektra drängt Orest auch Hermione zu töten. Gebannt von Hermiones Blick ist er unfähig zur Tat. Menelaos hindert Elektra daran, Hermione selber zu töten. Dionysos erscheint und entführt Helena ins himmlische Firmament. Vor den gebannten Blicken der Umstehenden versagt Orest den Göttern allen weiteren Gehorsam. Er widersteht dem Auftrag von Apollo, in der Stadt sein patriarchales Gesetz durchzusetzen, auch ist der nicht am Ruhm interessiert, den ihm Dionysos anbietet. Er verweigert sich der göttlichen Willkür. Zusammen mit Hermione will er der Erstarrung unter der göttlichen Macht entkommen. Der Gott kann ihn nicht mehr halten.

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