Eugen Onegin

Musik Piotr I. Tschaikowski Text Piotr I. Tschaikowski & Konstantin Schilowski nach Alexander Puschkin
→ Lyrische Szenen in drei Akten

Premiere

25. Oktober 2020
Sonntag
19.00 - 22.00
1 Pause
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25. Oktober 2020
Sonntag
19.00 - 22.00
1 Pause
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28. Oktober 2020
Mittwoch
19.00 - 22.00
1 Pause
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31. Oktober 2020
Samstag
19.00 - 22.00
1 Pause
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03. November 2020
Dienstag
19.00 - 22.00
1 Pause
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06. November 2020
Freitag
19.00 - 22.00
1 Pause
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Besetzung 25.10.2020

Musikalische Leitung Tomáš Hanus
Inszenierung und Bühne Dmitri Tcherniakov
Kostüme Maria Danilova
Licht Gleb Filshtinsky
Ko-Kostümbildnerin Elena Zaytseva
Assistenz Bühne Ekaterina Mochenova
Regieassistenz Thorsten Cölle Igor Ushakov
Musikalische Einstudierung und Sprachcoach Liubov Orfenova
Larina Helene Schneiderman
Tatjana Nicole Car
Olga Anna Goryachova
Filipjewna Larissa Diadkova
Eugen Onegin Andrè Schuen
Lenski Bogdan Volkov
Fürst Gremin Dimitry Ivashchenko
Saretzki Dan Paul Dumitrescu
Vorsänger Mykola Erdyk
Alte Dame zu Gast Johanna Mertinz

Inhalt

Mit seinen 1879 durch ein Studentenensemble am Moskauer Maly (d.i. Kleinen) Theater uraufgeführten »lyrischen Szenen in drei Akten« verlässt Tschaikowski den für die Oper seiner Zeit weitgehend verbindlichen »großen Stil«: »Ich brauche keine Zaren, Zarinnen, Volksaufstände, Schlachten, Märsche … ich suche ein intimes, aber starkes Drama, das auf den Konflikten beruht, die ich selber erfahren oder gesehen habe, die mich im Innersten berühren können.«

Ein solch intimes Drama fand der Komponist in Alexander Puschkins Versroman »Eugen Onegin« (1833), der als »Enzyklopädie des russischen Lebens« in die Kulturgeschichte eingegangen ist. Darin schildert Puschkin meisterhaft das Leben der damals zeitgenössischen Gesellschaft in seiner ganzen Vielfalt. Mit seinem Titelhelden gestaltete er erstmals den später sogenannten »überflüssigen Menschen«, einen wiederkehrenden Archetyp der russischen Literatur.

Die Berühmtheit ihrer Vorlage stand der Rezeption der Oper zunächst einige Zeit im Weg – vor allem in Russland selbst. Diese wurde trotz unmittelbarer Wertschätzung ihrer Musik als Verballhornung eines Kulturdenkmals der Nationalliteratur wahrgenommen. Bei den Schriftstellern reichte die Ablehnung von Iwan Turgenjews entsetztem Brief an Tolstoi aus dem Uraufführungsjahr (»Stellen Sie sich vor: Puschkins Verse über die handelnden Personen diesen in den Mund gelegt!«) bis hin zu Vladimir Nabokov, der in den 1964 erschienenen Kommentaren zu seiner Übersetzung von Puschkins Roman nicht müde wird, Tschaikowskis »slapdash opera« (»Opern-schmarrn«) zu geißeln. Der Erfolg dieser gegenwärtig – neben dem »Boris Godunow« – wohl berühmtesten russischen Oper wurde hierdurch zunächst verzögert. Heute vermögen wir ihrer ästhetischen und dramaturgischen Autonomie, die sich nicht in ihren gewiss außerordentlichen musikalischen Schönheiten erschöpft, gerecht zu werden.

Ausgangspunkt für Tschaikowskis Bearbeitung war die berühmte Briefszene der Tatjana Lárina, einer Gutsbesitzerstochter, die sich aus der Enge ihrer Verhältnisse in literarische Phantasiewelten flüchtet. In ihrer Identifikation mit den Heldinnen der Briefromane wirft sie zugleich alle Spielregeln des Genres über den Haufen, indem sie als Frau den Dialog eröffnet und einem Mann ihre Liebe erklärt. Doch der ebenso gewandte wie bindungsunfähige Dandy Onegin, den eine Erbangelegenheit aus der Hauptstadt auf das den Lárins benachbarte Landgut geführt hat, weist ihre Liebe kühl zurück: Als Reaktion auf ihre leidenschaftliche Selbstoffenbarung hält er ihr eine Gardinenpredigt. An Tatjanas Namenstag macht er seiner schlechten Laune Luft, indem er seinen einzigen Freund und Vertrauten, den jungen Poeten Lenski provoziert und ihn dann nolens-volens im Duell erschießt. Danach reist er ziellos durch die Welt. Drei Jahre später begegnet er Tatjana als bewunderte Gastgeberin eines Petersburger Salons an der Seite eines hochgeehrten Generals wieder. Er erkennt, dass er das Glück seines Lebens versäumt hat. Aber nun ist es die immer noch verletzte, immer noch liebende Tatjana, die ihn zurückweist.

Die epische Vorlage führte zu durchaus besonderen, in der Opern-Tradition nicht bereitliegenden Lösungen. Dies ist bereits an der vom Komponisten gewählten Genrebezeichnung »Lyrische Szenen in drei Akten« ablesbar. Die locker gefügte Erzählweise bedingt, dass es kaum möglich ist, zwischen Haupt- und Nebenfiguren zu unterscheiden. Auch wenn die musikalischen Anteile der Partien unterschiedlich gewichtet sind, gilt die Aufmerksamkeit des Stückes ebenso Tatjanas lebenslustiger Schwester Olga, deren Verlobten Lenski und ihrer Mutter Lárina, es leiht der bitteren Lebensgeschichte von Tatjanas alter Amme ein Ohr und noch eine Episodenfigur wie der fatale Duell-Sekundant Saretzki werden präzise porträtiert; ein einziger Auftritt im letzten Akt genügt, um Tatjanas Ehemann Gremin beeindruckend Statur zu verleihen.

Der Regisseur und Bühnenbildner Dmitri Tcherniakov hat einen hermetischen klassizistischen Speisesaal geschaffen, in dem sich ein zeitloses inneres Geschehen abspielt. Zentrales Gestaltungselement ist ein langer Tisch. Als Ort des geteilten festlichen Lebensgenusses macht er die unaufhebbare Entfremdung der Figuren umso fühlbarer. Wir erleben, wie zwei Figuren von ihren Liebesleiden aus der Bahn geworfen werden: eine schon vor der Zurückweisung durch Onegin verstummte, nahezu hospitalisierte Tatjana und der Dichter Lenski, den der Verlust seiner Kindheitsliebe Olga, die sich innerlich von ihm abgewandt hat und ebenfalls in den Sog seines attraktiven Begleiters Onegin geraten ist, in das tödliche Duell mit seinem einst bewunderten Freund treibt.


1. Bild
FRAU LARINA, ihre Töchter TATJANA und OLGA, die Amme FILIPJEVNA, VLADIMIR LENSKI, EUGEN ONEGIN
Nachbarn, Gäste

Im Haus der Larins. Der Nachbar Lenski, Olgas Bräutigam, kommt in Begleitung eines unangekündigten neuen Gastes. Sein Freund, der junge Onegin, ist kürzlich aus der Hauptstadt eingetroffen. Der Gast bringt den Alltag im Larin-Haushalt durcheinander: Niemand kann sein Interesse an ihm verbergen. Onegin äußert Zweifel an der Brautwahl seines Freundes.

2. Bild
TATJANA, FILIPJEVNA

Nacht. Die Begegnung mit Onegin hat Tatjana aufgewühlt. Die Amme, die Tatjanas Aufregung spürt, versucht sie abzulenken und zu beruhigen. Alleingelassen schreibt Tatjana Onegin einen Brief. Sie sieht in ihm ihren Auserwählten. Im Morgengrauen bittet Tatjana ihre Amme, den Brief an Onegin zu überbringen.

3. Bild
TATJANA, EUGEN ONEGIN

Tag. Voll Unruhe erwartet Tatjana die Antwort auf ihre Liebeserklärung.  Onegin kommt. Tatjanas Aufrichtigkeit hat ihn berührt, aber er kann ihre Gefühle nicht erwidern.

4. Bild
FRAU LARINA, TATJANA, OLGA, VLADIMIR LENSKI, EUGEN ONEGIN, FILIPJEVNA, SARETSKI
Nachbarn, Gäste

Tatjanas Namenstag. Lenski hat Onegin überredet, den Larins einen weiteren Besuch abzustatten. Aber Onegin fühlt sich durch alles gereizt. Er beschließt, Lenski zu verletzen, indem er demonstrativ mit Olga flirtet. Die Bereitwilligkeit, mit der Olga auf Onegins Avancen eingeht, peinigt Lenski. Er bricht mit Onegin einen Streit vom Zaun und fordert ihn zum Duell.


5. Bild
VLADIMIR LENSKI, EUGEN ONEGIN, SARETSKI, OLGA, FRAU LARINA, FILIPJEVNA, GUILLOT
Nachbarn, Gäste

Morgen. Lenski erwartet Onegin. Er denkt mit Wehmut und Schmerz über sein Leben nach. Der sich verspätende Onegin möchte eine weitere Eskalation abwenden. Die ehemaligen Freunde haben das Gefühl, sich verrannt zu haben. Aber es ist zu spät, eine Rücknahme ist unmöglich. Ein Schuss fällt, Lenski bricht tot zusammen.

6. Bild
EUGEN ONEGIN, TATJANA, FÜRST GREMIN
Gäste

Mehrere Jahre später. Nach langer Abwesenheit kehrt Onegin ins hauptstädtische Leben zurück und begegnet dort Tatjana. Sie ist verheiratet und steht im Zentrum der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit. Onegin ist schockiert über seine Ablehnung. Die Verwandlung Tatjanas und ihre Unerreichbarkeit wecken in Onegin eine rasende Leidenschaft.

7. Bild
TATJANA, EUGEN ONEGIN

Onegin gelingt es, ein Treffen mit Tatjana zu erzwingen. Aus seinen Worten klingen Reue und Bedauern. Er fordert Erwiderung seiner Leidenschaft und entreißt Tatjana das Eingeständnis, dass sie ihn immer noch liebt. Aber ihre Entscheidung, bei ihrem Ehemann zu bleiben, ist unwiderruflich. Onegin verzweifelt.
 

Umbesetzung

In der aktuellen Produktion von »Eugen Onegin« unter der Regie von Dmitri Tcherniakov (Premiere: Sonntag 25. Oktober 2020) kommt es zu einer Umbesetzung. Tamuna Gochashvili, die in der Produktion als Tatjana ihr Hausdebüt gefeiert hätte, ist aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, dieses nun zu verschieben.

Die Rolle der Tatjana übernimmt die australische Sopranistin Nicole Car. Car gilt als eine der führenden Sopranistinnen ihrer Generation. Zu ihren jüngsten Engagements zählen Auftritte an der Metropolitan Opera, am Royal Opera House London und an der Opéra National de Paris als Mimì in »La Bohème«, ebendort als Micaëla in »Carmen«, sowie - unter der Leitung von Philippe Jordan - als Donna Elvira in »Don Giovanni«.

Nicole Car war als Tatjana bereits an der Bayerischen Staatsoper München, am Royal Opera House London, an der Opéra Bastille in Paris, sowie an der Deutschen Oper Berlin.

Ihr Hausdebüt an der Wiener Staatsoper war für Ende April in der Neuproduktion des »Faust unter der Regie von Frank Castorf geplant, in der sie die Marguerite singen wird. Dieses Debüt im Haus am Ring wird nun bereits am kommenden Sonntag stattfinden.