Macbeth

Musik Giuseppe Verdi Text Francesco Maria Piave & Andrea Maffei nach William Shakespeare
→ Melodramma in vier Akten

Besetzung 17.06.2021

Musikalische Leitung Philippe Jordan
Inszenierung Barrie Kosky
Szenische Einstudierung Syvie Doering
Bühne und Licht Klaus Grünberg
Kostüme Klaus Bruns

Inhalt

Die beiden Generäle Macbeth und Banquo haben für ihren Herrn, den schottischen König Duncan, eine Schlacht entschieden. Nach dem Sieg begegnet ihnen eine Gruppe von Hexen. Diese sagen Macbeth voraus, dass er König sein werde. Banquo hingegen prophezeien sie, er werde nicht König, aber Vater von Königen sein. Durch dieses Orakel erschrocken und zugleich angespornt, ermordet Macbeth mit seiner Frau als Komplizin den König. Da es ihnen gelingt, den Verdacht auf den Königssohn zu lenken und dieser den Verdacht durch seine Flucht zu bestätigen scheint, steht Macbeths Machtergreifung nichts mehr im Wege. Doch auch nach Macbeths Krönung geht das Morden weiter. Zunächst entscheidet das Paar, Banquo ebenfalls aus dem Weg zu räumen, um zu verhindern, dass sich der zweite Teil des Hexenspruches erfüllt. Aber der ermordete Kamerad sucht Macbeth als Geistererscheinung heim. Um Klarheit über sein Schicksal zu gewinnen, begibt sich Macbeth erneut zu den Hexen, erhält aber widersprüchliche und verwirrende Voraussagen, die ihn zu neuen Mordtaten treiben. Lady Macbeth, die bisher der entschlossenere Teil des machthungrigen Paars war, zerbricht als erste an ihrer Schuld: Sie verrät sich schlafwandelnd und stirbt. Unterdessen sammeln sich die Gegner Macbeths.
Verdis Werk beruht auf William Shakespeares gleichnamiger Tragödie. Es stellt die erste Adaption eines Dramas von Shakespeare für das italienische Musiktheater dar, bei der sich die Fantasie des Komponisten am direkten Wortlaut des Originals entzündet. Die Partitur ist in dunkelste Farben getaucht, zugleich sorgen die nahezu revuehaften Hexenszenen, das Trinklied der Lady oder ein bizarr anmutender Mörderchor für grelle, zuweilen schrille Kontraste. Diese Kontraste wurden dadurch potenziert, dass Verdi das Werk fast zwanzig Jahre nach seiner Uraufführung 1847 einer grundlegenden Revision unterzog, bei der er ganze Nummern strich und durch andere ersetzte: Elemente seines kraftvoll-unbedenklichen Frühstils wurden so mit Tiefenbohrungen seines gereiften Spätstils durchsetzt.
Als »l’opera senza amore«, »die Oper ohne Liebe« ging dieses außergewöhnlich düstere Musiktheater in die Geschichte der italienischen Oper ein – wobei sich sagen ließe, dass das Protagonisten-Paar in einer sehr abgründigen Form der Liebe einander verfallen ist. Wer ist diese Lady Macbeth, die im ersten Akt eiskalt-berechnend reagiert, als ihr Mann vor dem Blut des Mordopfers, das an seinen Händen klebt, erschrickt, die aber in ihrer Schlafwandelszene des letzten Aktes nicht mehr aufhören kann, sich die Hände zu waschen? Das Klischee sieht in ihr die Verführerin, die eigentlich Verantwortliche für die Taten ihres Mannes. Doch ist sie nur die machiavellistische Realpolitikerin unter den beiden, die die Voraussetzungen und Konsequenzen des gemeinsamen Ehrgeizes von Anfang an in Betracht zieht: »Du lechzt nach Größe, Macbeth, aber wirst du auch böse sein? Der Weg zur Macht ist voller Missetaten, und wehe dem, der ihn nur zögernd betritt und dann zurückweicht.« Ihr Mann hingegen fühlt sich schon vor dem Mord von Visionen gehemmt und getrieben zugleich und stolpert in den Sog seiner Taten regelrecht hinein. Weder als gleichberechtigte Komplizen noch als Täterin und Opfer arbeitet das Ehepaar zusammen, sondern in wechselnden Abhängigkeiten. Die knappen Dialoge der beiden, die mehr verschweigen als verraten, scheinen am Ende einer langen Geschichte gegenseitiger Erwartungen und Enttäuschungen zu stehen.
Die Inszenierung des australischen Regisseurs Barrie Kosky konzentriert sich ganz auf dieses ebenso miteinander vertraute wie ineinander verkämpfte Ehepaar. Die groß besetzte Oper wird zum alptraumhaften Kammerspiel, bei dem bis zum Schluss unklar bleibt, was reales und was halluziniertes Geschehen ist. Eine Grenzerfahrung, passend zu Verdis radikalen Psychogrammen. Der Musikdirektor der Staatsoper, Philippe Jordan, wird diese Musik gewordene Extremsituation dirigieren.
Für »Macbeth« wünschte sich Verdi keinen schönen Gesang, sondern extremen dramatischen Ausdruck mit Mut zur Abscheulichkeit: Deklamation, gedämpfte, erstickte, raue und dumpfe Stimmgebung. Insbesondere »die beiden wichtigsten Nummern« – das Duett zwischen der Lady und Macbeth in der Mordnacht sowie die Schlafwandelszene der Lady – »dürfen absolut nicht gesungen werden«. Scheinbar paradox zieht Verdi aber auch noch einmal alle Register eines hochdramatischen Koloratursoprans, dessen Koloraturen und Fiorituren eine perfekte Belcanto-Technik verlangen. Ihre letzte Phrase soll Lady Macbeth nur noch mit einem fil di voce, also mit einem Hauch (wörtlich: einem Faden) von Stimme spannen. Anna Netrebko wird diese abgründige Figur erstmals an der Wiener Staatsoper verkörpern.

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