Manuel Legris nach Marius Petipa u.a.

Le Corsaire

Ballett

Seit seiner Uraufführung am 23. Jänner 1856 in der Pariser Opéra (Choreographie: Joseph Mazilier, Musik: Adolphe Adam) zählt das Werk zu den eindrucksvollsten Handlungsballetten des 19. Jahrhunderts. Besondere Popularität gewann das Opus durch die Fassungen von Jules Perrot (1858) und Marius Petipa (1863) sowie durch Dame Margot Fonteyn und Rudolf Nurejew, welche dem so genannten "Le Corsaire – Pas de deux" zur weltweiten Bekanntheit verhalfen. An der Wiener Staatsoper wurde es bislang noch nicht zur Gänze gezeigt. Auf Basis der mehr als 150 Jahre umspannenden Tradition des Balletts erarbeitet Manuel Legris, der Ballettdirektor des Wiener Staatsballetts, eine spezielle Fassung für sein Ensemble. Dabei schöpft er vor allem aus den reichhaltigen Aufführungstraditionen der französischen und russischen Überlieferungslinie des Werkes, die er aus seiner Sicht und Erfahrung interpretiert. Handlung, Musik, Choreographie und Ausstattung werden dabei behutsam zu einem neuen Gesamtbild zusammengefügt, welches sich auf die Höhepunkte des bunten Treibens rund um das Paar Conrad und Medora konzentriert. Die Ausstattung stammt von Luisa Spinatelli, womit sich ein bereits im Falle des "Schwanensee" (Spielzeit 2013/2014) erfolgreiches und somit gut aufeinander eingestelltes Team für die Arbeit an "Le Corsaire" erneut zusammenfindet.
03 Mai 2019

Besetzung | 03.05.2019

Dirigent Valery Ovsyanikov
Choreographie Manuel Legris nach Marius Petipa u.a.
Musik Adolphe Charles Adam u.a.
Bühnenbild und Kostüme Luisa Spinatelli
Assistenz Bühnenbild und Kostüme Monia Torchia
Licht Marion Hewlett
 

Inhalt

Akt I

Prolog am Strand

Am Ende eines erfolgreichen Beutezugs kommt Conrad, begleitet von seinem Stellvertreter Birbanto und seinen Freibeutern, zum Ufer. Auch Lanquedem, der Herr des Basars, begibt sich, umgeben von seinen Häschern, an den Meeresstrand, um auf die Jagd nach neuen Sklavinnen zu gehen. Er weiß, dass unvorsichtige junge Frauen des verfeindeten Nachbardorfes hier spazieren gehen. Und wirklich, kaum haben sich die Männer auf die Lauer gelegt, tauchen die nichtsahnenden Frauen, angeführt von der edlen Médora und Gulnare, auf. Sehr schnell werden sie eingekreist und von den Männern in ihre Gewalt gebracht. Als Kenner wählt Lanquedem Médora und Gulnare aus und kümmert sich nicht um die anderen Frauen. Die beiden Schönen werden unter strenger Bewachung auf den Basar gebracht.

Der Basar

Zwischen den bunten Läden gehen die Menschen ihren Beschäftigungen nach, als Lanquedem und seine beiden Gefangenen eintreffen. Da Lanquedem von der außergewöhnlichen Schönheit Gulnares beeindruckt ist, übergibt er sie seiner Dienerin, die sie für die Präsentation herrichten soll, wohingegen Médora zu den anderen Sklaven geschickt wird. Da tut sich Neues auf dem Markt: Conrad, Birbanto und die Freibeuter treffen auf dem Markt ein. Zulméa, die Tochter eines reichen Händlers, hat sofort ein Auge auf Birbanto geworfen. Lanquedem ruft Conrad und schlägt ihm vor, sich seine Sklavinnen anzusehen. Dieser ist ganz offensichtlich kaum an ihnen interessiert, daher lässt Lanquedem Médora hereinführen. Das ist Liebe auf den ersten Blick – und zwar beiderseits! Lanquedem versteht, dass er einen interessierten Kunden gefunden hat. Er lässt die schöne Frau wegführen und kündigt dem Freibeuter an, dass er Médora haben kann – dass sie aber ihren Preis hat. Conrad, der bereit ist, jeden Preis zu zahlen, will sofort den Handel abschließen, aber in diesem Augenblick tritt der Pascha Seyd ein. Lanquedem überlegt sich die Sache, denn der Pascha könnte ein besserer Käufer sein. Er übergibt Médora seiner Dienerin.

Lanquedem empfängt Pascha Seyd mit größter Hochachtung, und da er dessen Schwächen kennt, zeigt er ihm seine Sklavinnen. Da sich dieser wenig begeistert zeigt, lässt Lanquedem zuerst Gulnare hereinführen, für deren Reize Pascha Seyd sofort eine Schwäche hat. Schließlich lässt er sich überzeugen und kauft sie. Pascha Seyd ist gerade am Aufbrechen, doch Lanquedem überzeugt ihn, sich noch einige Augenblicke zu gedulden: Médora, aufs schönste geschmückt, wird hereingebracht. Sie wird gezwungen, vor Pascha Seyd zu tanzen, lässt jedoch all ihre Reize für Conrad spielen, weil sie nichts von dem Pascha weiß, der sich beeilt, Lanquedem ein Angebot zu machen. Während die beiden Männer zu verhandeln beginnen, erklärt Conrad Médora seine Liebe. Sie jedoch ist sehr beunruhigt über diesen Handel, deren Gegenstand sie sein soll. Conrad versichert ihr, dass sie diesen Ort mit ihm und mit niemandem sonst verlassen wird. Doch bevor Conrad Zeit hat, irgendetwas zu unternehmen, wird der Handel abgeschlossen, und Pascha Seyd verlässt den Ort mit zwei neuen Sklavinnen – Gulnare und Médora. Conrad, der wild entschlossen ist, die Dame seines Herzens für sich zu gewinnen, gebietet seinen Männern, zu warten und sich bereit zu halten. Er begibt sich auf die Suche nach Médora. Die Freibeuter, die volles Vertrauen zu den Fähigkeiten ihres Anführers haben, beginnen einen ausgelassenen Tanz, der bald von der Rückkehr des Freibeuters unterbrochen wird, nachdem dieser Médora gefunden hat. Ein Schuss knallt, Conrad hat das Aufbruchssignal gegeben. Birbanto achtet darauf, dass die Freibeuter Lanquedem und die Sklaven fangen. Auch Zulméa kommt hinzu und alle fliehen.

AKT II

Die Hochburg der Freibeuter

In der Hochburg der Freibeuter befinden sich alle Reichtümer, die sich im Laufe der Beutezüge angesammelt hatten. Die Frauen der Freibeuter warten dort auf die Rückkehr ihrer Gefährten. Conrad und Médora treffen ein. Die Frauen nehmen sie herzlich auf und erkundigen sich nach dem Schicksal der Männer. Conrad versichert ihnen, dass die Freibeuter bereits auf dem Weg sind. Médora und Conrad haben ihre ersten Minuten für sich, Médora bittet Conrad, ein paar Augenblicke alleine verbringen zu dürfen. Wenig später sind auch die anderen wieder zurück. Die Sklaven und Lanquedem werden abgesondert, während die Männer und Frauen ihr Wiedersehen feiern. Bald gesellen sich Médora und Conrad zu ihnen.

Dieser stellt allen seine neue Liebe vor und Médora, die die Gunst des Augenblicks nutzen will, bittet diesen, alle Sklaven und Sklavinnen zu befreien. Conrad gebietet Birbanto, diesem Wunsch nachzukommen. Birbanto protestiert – warum sollte man auf die Sklaven verzichten? Doch Médoras Wille setzt sich durch, Conrad gibt nicht nach und ordnet die sofortige Befreiung der Sklaven an. Birbanto ist wütend, doch er gehorcht. Allerdings schwört er Rache. Lanquedem, der Zeuge dieser Szene wurde, geht zu Birbanto und schlägt ihm vor, ihm zu helfen. Birbanto leiht dem Händler sein Ohr und befreit ihn von seinen Fesseln. Lanquedem gibt ihm ein starkes Schlafmittel, das in einer Rose verborgen ist und jeden, der daran riecht, in einen tiefen Schlaf versetzen wird. Birbanto könnte keine bessere und hingebungsvollere Verbündete finden als Zulméa. Er bittet sie also, Médora diese Blume zu bringen, welche diese sicherlich ihrem Liebhaber schenken wird.

Sobald Conrad und Médora zurück sind, lassen sie ihren Gefühlen freien Lauf, bis Zulméa die vergiftete Blume bringt. Médora schenkt diese tatsächlich im Überschwang ihrer Liebe und als Symbol für ihr erstes Treffen, ihrem Geliebten. Conrad, gerührt von dieser Geste, atmet tief den Duft der Blume ein und beginnt sofort zu wanken und in einen tiefen Schlaf zu verfallen. Médora erschrickt zutiefst und versucht, ihm zu Hilfe zu kommen, während Birbanto und die maskierten Freibeuter hereinstürmen. Da Médora sich bedroht fühlt, greift sie nach einem Dolch und verletzt einen von ihnen. Es stellt sich heraus, dass es sich um Birbanto handelt. Dieser unvorhergesehene Zwischenfall verwirrt die Freibeuter, und noch mehr Birbanto, den die Panik ergreift: Conrad beginnt aufzuwachen! Da keinerlei Zeit mehr zu verlieren ist, drängt Birbanto Lanquedem, so schnell wie möglich zu fliehen und Médora mitzunehmen.

Als Conrad wieder erwacht, ist er beunruhigt, weil Médora verschwunden ist. Birbanto, der seine Verletzung verbirgt, tut so, als wüsste er von nichts. Conrad ist skeptisch, aber alle behaupten, keine Ahnung zu haben. Conrad ist verwirrt, hat aber keine Wahl und gibt den Befehl zum Aufbruch: Médora soll gefunden werden! Er setzt sich erneut als unbestrittener Anführer durch.

AKT III

Der Palast des Seyd Pascha

Das gesamte Umfeld ist von Luxus und Wollust geprägt. Die Frauen des Harems und Gulnare, die zur Favoritin des Seyd Pascha geworden war, scharen sich um diesen. Gulnare scheint sehr zufrieden mit ihrer neuen Stellung und dem Überfluss zu sein, der ihr zu Füssen gelegt wird. Lanquedem, der dem Pascha etwas schuldet, führt Médora herein. Die aufgeregte junge Frau beruhigt sich, als sie Gulnare sieht, welche sie mit sich in ihre Gemächer zieht. Um Lanquedem für seine Loyalität zu danken, ruft Seyd Pascha die Odalisken, um ihn zu erfreuen, worauf der Händler mit diesen verschwindet. Der Pascha überlässt sich seinen Träumen: Sein Geist wandert durch den Jardin animé wo ihm Médora und Gulnare erscheinen. Vor dem Palast treten die Freibeuter auf und suchen nach einer Möglichkeit, in den Garten einzudringen. Conrad gebietet ihnen, sich das Gesicht zu verschleiern: Sie sollen wie Pilger aussehen. In diesem Augenblick kreuzt Lanquedem ihren Weg und erkundigt sich nach ihren Plänen. Die Fremden erklären, dass sie den Pascha bitten wollen, ihnen Gastfreundschaft zu gewähren. Da Lanquedem die Großzügigkeit des Paschas kennt, bietet er ihnen an, beim Pascha ein gutes Wort für sie einzulegen. Im Inneren des Palasts amüsieren sich die bei Seyd Pascha verbliebenen Sklavinnen darüber, dass dieser schon wieder eingeschlafen ist. Dies rüttelt den dösenden Pascha auf. Lanquedem tritt ein und bittet den Pascha, den Pilgern Gastfreundschaft zuteilwerden zu lassen. Und wirklich lässt dieser sie hereinführen. Bald stoßen Médora und Gulnare zu der Gruppe und sind über die Anwesenheit der Fremden erstaunt. Unauffällig gibt Conrad sich Médora zu erkennen, die zwar glücklich, aber doch etwas misstrauisch ist und alle anderen ablenkt. Conrad beschließt, nicht weiter zu zögern, sondern sofort zu handeln. Er gibt sich zu erkennen und gebietet seinen Männern, es ihm nachzutun. Sie bringen Lanquedem und Seyd Pascha in ihre Gewalt. Médoras misstrauischer Blick fällt auf den einzigen noch vermummten Freibeuter. Sie nähert sich ihm und enthüllt ihn. Es handelt sich in der Tat um Birbanto. Da deckt Médora Conrad gegenüber die wahre Natur des Verräters auf. Als sie ihm als Beweis die Wunde zeigt, die sie ihm zugefügt hatte, hat Conrad keinerlei Zweifel mehr, umso mehr, als Birbanto seine Waffe zieht, sobald er auf ihn zugeht. Im darauf folgenden Kampf verletzt Conrad Birbanto tödlich. Alle sind über diesen unerwarteten Tod geschockt. Allerdings müssen sie sich auch schnell entfernen, bevor die Truppen des Paschas einschreiten können. Gulnare lehnt die Einladung Médoras, mit ihr zu kommen, ab – sie bleibt lieber bei Seyd Pascha.

Epilog

Während Médora sich in Conrads Armen von den Aufregungen erholt, hissen die Freibeuter die Segel. Alle gehen an Bord. Doch dann bricht ein Unwetter herein und das Schiff wird in die Tiefe gerissen. Während das Meer wieder ruhiger wird, geht der Mond am Himmel auf. Im Mondschein sieht man Médora und Conrad, denen es gelungen ist, das rettende Ufer zu erreichen. Sie danken dem Himmel für ihre Rettung und schwören einander ewige Liebe.