Wozzeck

→ Oper in drei Akten (15 Szenen)

03. April 2022
Sonntag
Keine Pause
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Besetzung 03.04.2022

Musikalische Leitung Philippe Jordan
Inszenierung Simon Stone
Bühne Bob Cousins
Kostüme Alice Babidge
Licht James Farncombe
Wozzeck Christian Gerhaher
Tambourmajor Sean Panikkar
Hauptmann Jörg Schneider
Doktor Dmitry Belosselskiy
Marie Anja Kampe

Inhalt

Alban Bergs Wozzeck erzählt die Geschichte einer gepeinigten Kreatur, die, von Visionen und Ängsten bedrängt, von der Gesellschaft verlacht und gequält, aus ihrer Existenz getrieben wird. Bis es zur finalen Katastrophe kommt: Der Verzweifelte ermordet seine Geliebte und findet den Tod im Wasser. Bergs maßstabsetzende Oper basiert auf einem Dramenfragment Georg Büchners (1836/7), in dem dieser die Ausweglosigkeit des Menschen angesichts der ihn bestimmenden Umstände beschreibt: Ein einfacher Soldat wird zum Opfer der pathologischen Boshaftigkeit seiner Mitmenschen, muss sich aus sozialer Not unterwerfen, geht im Wahn verloren und scheitert auch an der Untreue der Mutter seines Kindes.

Als Berg 1914 in Wien das Stück bei einer Theateraufführung erlebte, fasste er rasch den Entschluss, den beklemmenden Stoff zu vertonen. Die Arbeit – unterbrochen unter anderem durch den Ersten Weltkrieg – zog sich allerdings in die Länge. Erst 1925 wurde Wozzeck in Berlin unter Erich Kleiber exemplarisch uraufgeführt, fünf Jahre später erfolgte die Erstaufführung an der Wiener Staatsoper unter Clemens Krauss. Rasch entwickelte sich das Werk (bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten) zum Repertoirestück. Dass Wozzeck in den Premierenzyklus der Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper 1955 aufgenommen wurde, unterstreicht den Ausnahmecharakter dieses Werks. Oder, wie der zeitgenössische Komponist Wolfgang Rihm einmal meinte: »Eine Jahrhundertoper!«

Wozzeck gilt als die erste große, vollständig atonale Oper. In einer Zeit des musikalischen Umbruchs kann es als Pionierwerk des musikalischen Theaters verstanden werden, das die Ausführenden herausforderte und das Publikum zu einem erneuerten Hören und Verstehen verführte. Berg spannt in seinem Wozzeck ein engmaschiges Netz aus historischen Verweisen und Formmodellen vom Barock bis zur Spätromantik, voller nuancierter kammermusikalischer Feinheiten, im Kontext einer ebenso unmittelbar packenden wie verstörenden hochexpressiven Klangsprache, die auch eine hochdifferenzierte Singstimmenbehandlung umfasst. Dies alles nicht, um neue Wege um der neuen Wege willen zu ergründen, sondern um Büchners Drama möglichst präzise in Musik zu setzen. So ist Wozzeck eine Symbiose aus psychologischer Analyse, sozialem Aufschrei und höchstpersönlichem künstlerischen Ausdruck: Das »erste Modell einer Musik des realen Humanismus«, wie Adorno es formulierte.