Le Pavillon d'Armide | Le Sacre

Choreographie John Neumeier

Besetzung 20.02.2017

Le Pavillon d'Armide

Dirigent Michael Boder
Choreographie John Neumeier
Komponist Nikolai Tscherepnin
Der Mann (Vaslaw Nijinsky) Mihail Sosnovschi
Seine Frau (Romola Nijinsky) Nina Poláková
Der Arzt Roman Lazik
Armide Nina Poláková
Danse siamoise Davide Dato
Tamara Karsawina Maria Yakovleva
Alexandra Baldina Nina Tonoli
Vaslaw Nijinsky Denys Cherevychko
Serge Diaghilew Roman Lazik
Nijinsky als Schüler Richard Szabó

Le Sacre

Choreographie John Neumeier
Komponist Igor Strawinsky

Inhalt

Hatte der Komponist in den Jahren 1911/1912 und damit in zeitlicher Nähe zu seinem „Le Sacre du printemps“ die Kantate „Le Roi des étoiles“ verfasst, so mutet dieser Titel vor dem Hintergrund der „Voyager“ fast prophetisch an.

Dabei hätte in Anbetracht des Skandals, der sich 1913 um die Uraufführung des „Sacre“ in Paris entspann, wohl niemand vermutet, dass just dieses Werk 64 Jahre später als Botschafter der Menschheit zu den Sternen fliegen sollte.

Vielleicht kreuzte die Voyager ja sogar die Bahn des "514 Armida“, eines Asteroids des so genannten Hauptgürtels, einer Ansammlung von Asteroiden bzw. Zwergplaneten, die sich zwischen den Planetenbahnen von Mars und Jupiter findet.

„Stars und Sternchen“ des Balletts waren auch sie allemal, die Mitglieder derepochalen Ballets Russes, welche den beiden heute gespielten Werken ihren Glanz verliehen und ihre Legende prägten. Eben diese beschwört John Neumeier in seiner Deutung von „Le Pavillon d’Armide“ in einem Dialog von Vergangenheit und Gegenwart. Zeitliche Wiederkehr ist auch das Thema des „Frühlingsopfers,“ circadiane und circannuale Rhythmen prägen im Wechsel von Tag und Nacht sowie den Jahreszeiten das somit in vielerlei Hinsicht wahrhaft polyrhythmische Werk.

Bemerkenswert bleibt die „Schubumkehr“ an der Zeitenwende zur Moderne: Das klassisch-romantische Ballett des 19. Jahrhunderts strebte nach oben, suchte leichtfüßig der Schwerkraft zu entfliehen. Auch „Le Pavillon d’Armide“ kündete, 1907 in St. Petersburg uraufgeführt, noch von diesem Unterfangen.

Just in den Jahrzehnten, als der Mensch vital die Lüfte eroberte, um bald nach den Sternen zu greifen, besann sich der Tanz nur sechs Jahre später mit der „Anbetung der Erde“ – so der Titel des ersten Teils des „Sacre“ – des nach unten zum Körperschwerpunkt hin strebenden Ideals und damit einer Ästhetik der Bewegung, die den weiteren Verlauf der Tanzgeschichte auf ihre Weise deutlich prägen sollte.

Wenn „Voyager 1“ in rund 40.000 Jahren den Stern „Gliese 445“ passieren wird, hat sie ihren Treibstoff mit Sicherheit längst verbraucht. Die archetypischen Kräfte des „Sacre“ jedoch sollten in Gold versiegelt den Lauf der Zeit überdauert haben und weiterhin unvermindert wirksam sein, bereit für neue Welten. Spätestens dann gelänge dem „Sacre“ wohl ein Schritt in Richtung Ewigkeit, in ein blühendes Land jenseits des Vergessens.