IL BARBIERE DI SIVIGLIA

→ Commedia in zwei Akten
Musik Gioachino Rossini
Text Cesare Sterbini nach Beaumarchais

Premiere 28. September 2021

Premierenserie 28. September 2021/ 
1. / 4. / 7. / 10. und 14. Oktober 2021

Einführungsmatinee 19. September 2021

Musikalische Leitung Michele Mariotti
Graf Almaviva Juan Diego Flórez
Rosina Marianne Crebassa
Figaro Davide Luciano
Bartolo Paolo Bordogna
Basilio Ildar Abdrazakov

Inszenierung & Bühne Herbert Fritsch
Kostüme Victoria Behr
Licht Carsten Sander
Dramaturgie Ann-Christine Mecke
Regieassistenz Sascha Alexander Todtner 
Bühnenbildassistenz Andrej Rutar
Kostümassistenz Sebastian Helminger

Als »Faktotum der ganzen Stadt« stellt sich der Barbier von Sevilla vor: als Helfer in allen Lebenslagen also. Wie alle Barbiere seiner Zeit ist er nicht nur für Bart- und Haupthaarpflege zuständig, sondern auch fürs Zähnereißen und den Aderlass. Darüber hinaus umfasst Figaros Angebot auch Dienstleistungen für Verliebte und Heiratswillige wie heimlichen Brieftransport oder Ständchen im Auftrag.

Seiner Eigenwerbung zum Trotz erweisen sich Figaros Ideen als wenig hilfreich, als er Graf Almaviva dabei unterstützen soll, die Hand Rosinas zu gewinnen. Rosina lebt nämlich eingesperrt bei ihrem Vormund Bartolo, der sich ihr Vermögen sichern will, indem er sie selbst heiratet. Alle Pläne Figaros, wie Almaviva seiner Angebeteten näherkommen könnte, scheitern auf – für das Publikum – amüsanteste Weise. Letztlich machen Geld und Macht den Grafen zum Sieger in diesem Kampf, der für ihn selbst ein Spiel, für Bartolo aber bitterer Ernst ist.

Ursprünglich hieß Gioachino Rossinis Oper Almaviva, o sia L’inutile precauzione (Almaviva oder Die nutzlose Vorsicht) – Hauptfigur war also Graf Almaviva. Schnell fokussierte sich die Publikumsliebe jedoch auf den extrovertierten Barbier. Dazu trug bei, dass die große Arie des Grafen »Cessa di più resistere« wegen ihrer Länge und immensen Schwierigkeit oft gestrichenen wurde. Tatsächlich sind es aber nicht die immer wieder eskalierenden Strategien des Barbiers, sondern die Machtmittel des Adligen, die seiner Liebe zum Sieg verhelfen.

Die Oper beruht auf dem 1775 uraufgeführten gleichnamigen Stück von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais. Dieser verwandelte Figurentypen und Handlungselemente der italienischen Stegreifkom.die, der Commedia dell’arte, zunächst in eine Opéra comique, dann in eine Prosa-Komödie, in die auch Eindrücke einer Spanieneinreise eingegangen sind. Später wurde das Stück zum ersten Teil von Beaumarchais’ Figaro-Trilogie.

Ihre enorme Bühnenwirksamkeit verdankt die Oper auch dem Libretto von Cesare Sterbini, das Gioachino Rossini mit idealen Musizier-Anlässen versorgt, so auch für eine seiner berühmten ›Crescendo-Walzen‹: Bartolos Verbündeter Basilio zeichnet in seiner »Verleumdungsarie« detailliert die Entwicklung eines Gerüchtes nach, vom leisen Flüstern bis zur Explosion eines ›Shitstorms‹. Und im Finale des 1. Akts beschwört der Text der Oper das Bild einer »Höllenschmiede«, das die Musik mit dem Klang von Hämmern und Ambossen genüsslich ausmalt.

 

SPOTIFY-PLAYLIST ZUR EINSTIMMUNG





Herbert Fritsch ist Schauspieler, Regisseur, Bühnenbildner und Medienkünstler. Einen Namen machte er sich zunächst als anarchischer, bis zur Verausgabung agierender Schauspieler, zuletzt als Ensemblemitglied der Berliner Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz.

»Im Theater ergebe ich mich dem Wahnsinn« beschrieb er sich zu dieser Zeit. Seit 2006 führt er mit großem Erfolg Regie in Schauspiel und Oper, wobei er stets auch die Bühne entwirft. Seine Produktionen wurden regelmäßig zum Berliner Theatertreffen eingeladen und Herbert Fritsch als Regisseur mit Preisen überhäuft. Darüber hinaus dreht er Filme und entwirft Installationen.

Sein Theater ist radikal künstlich, oft albern und extrem. Coolness auf der Bühne und scheinbar »authentisches« Spiel sind ihm verhasst, er sucht gemeinsam mit seinen Darstellerinnen und Darstellern nach extravaganten, gezierten und verspannten Gesten, nach Verrenkungen, Spasmen und Entladungen. Als »Knallchargentum« und »Körperkomiktheater« wurde es beschrieben, er selbst als »Feuerwerker und Spiellustentfessler«.