Gaetano Donizetti: Ein König des Wiener Musiktheaters

Gaetano Donizetti zählte schon zu Lebzeiten zu den besonderen Lieblingen des Wiener Publikums. Mehr noch, in Wien lag das Publikum – die Mitglieder des Kaiserhauses inbegriffen – dem Komponisten aus Bergamo regelrecht begeistert zu Füßen, was schließlich in seiner Ernennung zum kaiserlichen »Hofcompositeur und Kammerkapellmeister« gipfelte. 

Donizetti war mit anderen Worten für Jahre der ungekrönten Könige des Musiktheaters in der Donaumetropole und ob heitere oder tragische Opern aus der Feder des Viel- und Schnellschreibers angesetzt waren – die Theater waren in der Regel gesteckt voll. (Nicht umsonst nannte Richard Wagner Wien neidvoll eine »Donizetti-Stadt«.) 

Rückten am Beginn des 20. Jahrhunderts andere Komponisten in den Vordergrund, so wurde die Genialität vieler Opern Donizettis von Sängern, Dirigenten, Regisseuren und nicht zuletzt vom Publikum nach dem Zweiten Weltkrieg neu entdeckt, sodass die ehemals populären Werke wieder ihren ursprünglichen prominenten Platz in den internationalen Spielplänen einnehmen konnten. So auch an der Wiener Staatsoper. Dementsprechend sind hier allein in den nächsten Wochen gleich drei Juwelen aus Donizettis reichhaltigem Œuvre zu erleben, drei komische Opern, deren Arien und Ensemblenummern sich zu regelrechten „Schlagern“ entwickeln konnten: Nemorinos »Una furtiva lagrima« aus »L’élisir d‘amore« gehört ebenso dazu, wie die extrem anspruchsvolle Tenor-Arie mit den acht (!) hohen Cs aus »La fille du regiment« oder Norinas entzückende Eingangsarie »Quel guardo, il cavaliere« aus »Don Pasquale«. 

Zugleich lässt sich an diesen drei Stücken schön die Entwicklung Donizettis ablesen – vom italienischen Melodramma giocoso »L’élisir d‘amore« von 1832 über die für Paris entstandene französische Opéra comique »La fille du regiment« bis hin zu Donizettis 1843 uraufgeführten Buffo-Oper »Don Pasquale« – übrigens das letzten Meisterwerk in dieser Gattung für rund ein halbes Jahrhundert.