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© links: akg-images; rechts: Peter Mayr
Links: Alban Berg, aus einem Fenster seiner Wohnung in den Garten blickend, unter ihm sein von Arnold Schönberg geschaffenes Portrait, rechts: Simon Stone

Ein Pionierwerk

Informationen & Karten »Wozzeck«
 

Wer heute die Kammerspiele in der Rotenturmstraße im ersten Wiener Gemeindebezirk betritt, ahnt vielleicht gar nicht, dass er oder sie auf musikgeschichtlichem Boden steht. Denn hier, im Jahr 1914, erlebte Alban Berg eine Aufführung von Georg Büchners Woyzeck mit Albert Steinrück in der Titelrolle. Und war vom Gesehenen so beeindruckt, dass er augenblicklich an eine Vertonung des Stoffes dachte – selbst gegen den Rat seines Lehrers Arnold Schönberg. Heute wissen wir, dass das, was Berg in der damals so benannten Residenzbühne erlebte, keineswegs der »echte« Büchner war. Denn dieser hatte nur Woyzeck-Fragmente hinterlassen, ohne definierte Reihenfolge der Szenen, zum Teil in mehreren, sich unterscheidenden Textfassungen. Es war der Schriftsteller Karl Emil Franzos, der posthum das Werk nach eigenem Gutdünken in eine Form brachte, veränderte und veröffentlichte. Durch eine weitere Überarbeitung – von Paul Landau – entstand schließlich jener Text, den Berg als Librettogrundlage verwendete. Die Vertonung durch Berg zog sich, aus unterschiedlichen Gründen, in die Länge, erst 1922 war die Partitur im Wesentlichen abgeschlossen. Während zeitgleich Erich Wolfgang Korngold seine melodiesüffigen, klangreich schimmernden Opern schrieb und dabei in die Vergangenheit blickte, ging Berg mit dem Wozzeck einen gänzlich neuen Weg. In weiten Teilen atonal löste er eine – von ihm gar nicht explizit beabsichtigte – Revolution aus. Gleichzeitig berief sich der Komponist auf flexibel gehandhabte historische Formen wie die barocke Suite, die das dramatische Geschehen subkutan strukturieren. Entstanden ist eine Oper, die eine Symbiose aus psychologischer Analyse, sozialem Aufschrei und höchstpersönlichem künstlerischen Ausdruck ist: Das »erste Modell einer Musik des realen Humanismus«, wie Adorno es einst formulierte. Uraufgeführt wurde Wozzeck im Jahr 1925 mit großem Erfolg in Berlin unter der Leitung von Erich Kleiber (dem Vater von Carlos Kleiber); 1930 fand die Erstaufführung an der Wiener Staatsoper unter Clemens Krauss statt. Bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten erlebte Wozzeck eine beeindruckende Karriere in Deutschland, wurde aber auch bald international, in Prag (1926), Leningrad (1927), Philadelphia und Zürich (1931), Brüssel (1932) und Brünn (1932) gespielt. 1955 war Wozzeck (unter Karl Böhm) Teil des Wiedereröffnungs-Premierenzyklus der Wiener Staatsoper, die letzte Neuproduktion des Hauses am Ring fand 1987 unter Claudio Abbado in der Inszenierung von Adolf Dresen statt. Am 21. März kommt die bisher fünfte Wozzeck-Neuproduktion der Wiener Staatsoper zur Premiere: es dirigiert Musikdirektor Philippe Jordan, Simon Stone inszeniert, zu hören sind u.a. Christian Gerhaher (Wozzeck), Anja Kampe (Marie), Jörg Schneider (Hauptmann), Dmitry Belosselskiy (Doktor) und Hausdebütant Sean Panikkar (Tambourmajor).


WOZZECK
21. (Premiere), 24./ 27./ 31. März; 3. April 2022

Musikalische Leitung Philippe Jordan Inszenierung Simon Stone
Mit Christian Gerhaher, Anja Kampe, Jörg Schneider, Dmitry Belosselskiy, Sean Panikkar, Josh Lovell, Peter Kellner, Stefan Astakhov, Thomas Ebenstein, Christina Bock