Herzblut, Glück & Traumwelten

Bevor man Leitungsfunktionen – wie in Ihrem Fall beim Opernball – übernimmt, hat man Träume, Visionen, Vermutungen, Erwartungen. Was war, rückblickend betrachtet, das Unerwartete, das Sie beim Zusammentreffen zwischen den Vermutungen, Visionen und der Realität erlebten?
Maria Großbauer: Unerwartet war sicher: Dass dieses großartige Unternehmen Opernball mit einem verblüffend kleinen Team auskommt. Es ist ja doch ein sehr großes Fest, dahinter stehen aber nur eine Handvoll an Menschen, die mit Aufopferung und Herzensblut dafür sorgen, dass alles gut klappt. Viele glauben ja, dass hinter dem Monsterprojekt eine entsprechend umfangreich dimensionierte Mannschaft werkt – aber das ist eben nicht der Fall.

Die Organisation eines Opernballs ist ja eine paradoxe Situation: Man bereitet ein Jahr lang etwas vor, das dann in wenigen Stunden vorbei ist. Packt Sie da nicht mitunter ein Weltschmerz?
Maria Großbauer: Aber die wenigen Stunden sind großartig. Daher: keinerlei Schmerzen irgendwelcher Art!

Wobei sich die Frage stellt: Können Sie diese Stunden genießen? Sie sind ja während des Balls laufend im Einsatz.
Maria Großbauer: Ich genieße jeden einzelnen Moment! Selbst wenn ich praktisch im 15-Minuten-Takt von Termin zu Termin, von Standort zu Standort eile. Ich sauge all das, was passiert, wie ein Schwamm auf. Und das muss ja auch sein, denn jeder Ball gibt mir Energie für den kom- menden. Für mich ist das Allerschönste, wenn ich knapp vor Beginn in meine Loge komme und, fast wie ein Gast, die Eröffnung miterleben kann. Ich bin dabei zu Tränen gerührt – und tauche in diese Welt, die ein wenig auch eine Traum- welt ist, ein. So ein Ball ist ja etwas Ungewöhnliches in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit, er ist wie Slow Food: Man freut sich lange im Voraus, plant, macht sich Gedanken, zelebriert die Vorbereitungen. Die Vorfreude ist ein großer Bestandteil des Gesamtpakets. Wie auch die Erinnerung an das Erlebte ein besonderes Gewicht hat. Es ist wie bei einem Urlaub, den man genossen hat: später denkt man immer wieder gerne daran zurück, schwelgt in Erinnerungsbildern und seufzt regelmäßig: Ach, wie schön war das doch!

Wir sprachen jetzt von drei Freuden: Vor-, Ball-, und Erinnerungsfreude. Welche ist für Sie die maßgebliche?
Maria Großbauer: Die schönste Freude ist doch immer die, die man anderen bereitet. Beim Opernball ist es für mich wie mit einem Christbaum, den man für sein Kind besonders schön schmückt. Die Augen, die dann so hell strahlen, die berühren einen sehr tief. Auf den Opernball umgelegt bedeutet das: Wenn ich sehe, wie die Gäste reagieren, wie sie das künstlerische Programm, das geschmückte Haus, die ganze Veranstaltung schätzen – dann freue ich mich einfach. Im vergangenen Jahr bekam ich ganz am Ende des Balls einen handgeschriebenen Brief einer Debütantin, in dem sie mir mitteilte, wie stolz und glücklich sie über das Erlebnis sei. Mir wurde ganz warm ums Herz! Wenn man mit einer so wunderbaren Sache wie dem Opernball Menschen so glücklich machen kann, dann ist das unser aller schönster Lohn.

Als Musikerin kennen Sie natürlich das Gefühl des Lampenfiebers. Ist Lampenfieber für die Ballorganisatorin ein Thema? Bei der Eröffnung?
Maria Großbauer: Als Musikerin war das Lampenfieber eindeutig größer. Beim Ball hängt ja, sobald er begonnen hat, kaum mehr etwas von mir ab. Natürlich, es können kleinere Last-minute-Fragen auftauchen, die man schnell lösen muss, aber im Großen und Ganzen: Wenn es läuft, dann läuft es. Insofern fühle ich kein Lampenfieber, sondern nur eine positive Spannung. Und es überwiegt die Freude, weil ich den Opernball ja auch so schön finde!

Das heurige Thema lautet: Die Königin der Nacht. Welche Programmatik steckt dahinter?
Maria Großbauer: Es ist mir in den letzten Jahren immer darum gegangen, den Ball thematisch mit der Welt der Oper zu verbinden: so gibt es viele Querverweise, Zitate, Elemente aus bekannten Werken. Die Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte: das ist eine faszinierende Figur, die etwas Geheimnisvolles hat, die viele Besucherinnen und Besucher kennen, bei der man aber auch neue Aspekte zeigen kann. Zum Beispiel: Ich habe in keiner Zauberflöten-Inszenierung den Garten der sternflammenden Königin erlebt. Also fragte ich mich: Wie könnte dieser aussehen? Wie soll man sich diesen vorstellen? Welche Blumen blühen dort? Diese Überlegungen sind in den Blumenschmuck des Balls eingeflossen. Ich freue mich auch sehr, dass Hubert Schmalix das Opernball-Plakat und den Fächer gestaltet hat – und die Augen der Königin der Nacht ins Zentrum rückt. Wir zeigen also unterschiedliche Zugänge – das macht die Behandlung des Themas vielschichtig und spannend!

Wenn Sie am Ball-Konzept feilen: Machen Sie das zu einem bestimmten Zeitpunkt? Gehen Sie in Klausur? Brauchen Sie ein spezielles Ambiente?
Maria Großbauer: Bisher war es immer so, dass mir zu einem Ball Dinge eingefallen sind, die ich nicht mehr umsetzen konnte und ich mir dachte: Das machen wir beim nächsten Mal! Ganz allgemein muss ich sagen, dass mir viele Ideen zwischendurch kommen, ganz spontan. Sei es im Auto bei einer roten Ampel, im Urlaub, wo auch immer. Da brauche ich keine besondere, kreative Umgebung!

Das Gespräch führte Oliver Láng