Cookie-Einstellungen

Dieses Tool hilft Ihnen bei der Auswahl und Deaktivierung verschiedener Tags / Tracker / Analysetools, die auf dieser Website verwendet werden.

Essentiell

Funktional

Marketing

Statistik

Salome

→ Oper in einem Akt
Musik Richard Strauss
Text Hedwig Lachmann nach Oscar Wilde

Premiere 2. Februar 2023

Premierenserie 2. / 4. / 8./ 10. / 12. Februar 2023

Einführungsmatinee 22. Jänner 2023


Musikalische Leitung Philippe Jordan
Inszenierung Cyril Teste
Bühne Valérie Grall
Kostüme Marie La Rocca
Licht Julien Boizard
Video Mehdi Toutain-Lopez

Herodes Gerhard A. Siegel
Herodias Michaela Schuster
Salome Malin Byström
Jochanaan Iain Paterson
Narraboth Daniel Jenz
Page Patricia Nolz


Zweite Serie 21. / 24. / 26. / 29. April 2023

Musikalische Leitung Philippe Jordan
Herodes Jörg Schneider
Herodias Michaela Schuster
Salome Malin Byström
Jochanaan Iain Paterson
Narraboth Hiroshi Amako
Page Isabel Signoret


Information & Karten

Anlässlich von Richard Strauss’ Salome ließ sich Siegfried Wagner, der Sohn des Komponisten Richard Wagner, wie folgt vernehmen: »Seit wann ist Kunst identisch mit Schmutz? [...] die Halbwelt bleibe doch gefälligst unter sich, und man wage es doch nicht, auf einen anständigen Tisch Gerichte zu bringen, die von Bakterien wimmeln, Gift allerschlimmster Art.« Er stand damit nicht allein: Gustav Mahler, der den Geniestreich der Partitur erkannte, scheiterte in seiner Bemühung, das Werk im Anschluss an die Dresdner Uraufführung 1905 an der von ihm geleiteten Wiener Hofoper zu inszenieren: »Die Darstellung von Vorgängen, die in das Gebiet der Sexualpathologie gehören, eignet sich nicht für unsere Hofbühne«, lautete der abschließende Befund des Zensors. Die aufsehenerregende österreichische Erstaufführung fand unter der musikalischen Leitung des Komponisten 1906 im Opernhaus Graz statt, die Wiener Erstaufführung erfolgte 1907 im Rahmen eines Gastspiels aus Breslau im heutigen Volkstheater, erst 1918 zog die Hofoper nach.

Die Widerstände gegen die Oper wiederholten in gewisser Weise die Ächtung, die ihrer literarischen Vorlage zuteilgeworden war. Das Drama Salomé gilt heute als eines der wichtigsten Theaterstücke der anglo-französischen Décadence. Es war von Oscar Wilde 1891 in französischer Sprache verfasst und veröffentlicht worden, drei Jahre später ließ der Dichter eine englische Fassung folgen. Seine szenische Uraufführung feierte das Drama 1896 in Paris mit Sarah Bernhardt in der Titelrolle, nachdem sich die ursprüngliche Absicht des Autors und der Schauspielerin, das Werk im Londoner Königlichen Opernhaus zu präsentieren, zerschlug, nachdem man einen Paragrafen in Anschlag gebracht hatte, der die Darstellung biblischer Figuren auf britischen Theaterbühnen verbot; so wurde das Stück erst 1931 in England zur öffentlichen Aufführung freigegeben. Als Sarah Bernhardt dann in Paris als judäische Prinzessin auf der Bühne stand, verbüßte der wegen »homosexueller Unzucht« zu zwei Jahren harter Zwangsarbeit verurteilte Oscar Wilde bereits im Zuchthaus zu Reading jene Gefängnisstrafe, die ihn gesellschaftlich und gesundheitlich ruinieren sollte.

Die Erzählung, die den Tanz einer jugendlichen Prinzessin mit dem Tod Johannes des Täufers verknüpft, stützt sich auf das Markus- und das Matthäus-Evangelium sowie auf die Jüdischen Altertümer des Historiographen Flavius Josephus, wobei alle Quellen in zeitlichem Abstand zu den mutmaßlichen Ereignissen entstanden und untereinander Widersprüche aufweisen, die die zahlreichen Bearbeiter des Stoffes — zunächst überwiegend in der Malerei, dann auch auf dem Theater und in der Literatur, zuletzt auch in der Musik — zu immer neuen Lösungen und Erweiterungen anregten; Oscar Wilde selbst knüpfte etwa auch an Gustave Flauberts Erzählung Hérodiade (1877) an. Vier der in seinem Stück auftretenden Gestalten sind historisch nachweisbar: Jochanaan ist der hebräische Name Johannes des Täufers, der zwischen 27 bis 29 n. Chr. predigte und von Herodes Antipas, dem Tetrarchen (»Viertel-Fürsten«), der über ein Viertel des Königreiches Judäa herrschte, hingerichtet wurde. Angeblich geschah das auf Betreiben seiner Ehefrau Herodias, deren Ehe mit Herodes von Jochanaan als blutschänderisch gebrandmarkt worden war. Herodias hatte eine Tochter aus erster Ehe mit Namen Salome, die gerade heiratsfähig, im Verständnis der Zeit also etwa zwölfjährig, oder sogar noch ein Kind war. Als diese von Herodes gebeten wurde, zu Ehren seines Geburtstages vor ihm zu tanzen, wofür er ihr die Erfüllung eines jeden Wunsches versprach, forderte die Prinzessin auf Anstiftung ihrer Mutter den Kopf des Jochanaan — und Herodes musste sein Versprechen erfüllen. Genau an dieser Stelle widersprach Oscar Wilde der Überlieferung, indem er die Kindfrau Salome sagen lässt: »Ich achte nicht auf die Stimme meiner Mutter, zu meiner eigenen Lust will ich den Kopf des Jochanaan in einer Silberschüssel haben.«

Wilde verfasste sein Drama in einer metrisch nicht gebundenen, dabei zugleich hochstilisierten und musikalisierten Sprache, die bei aller archaisierenden Attitüde die funkelnde Pointenkunst seiner später entstandenen Gesellschaftskomödien antizipiert. Zugleich machte er von Bibelversen einen subversiven Gebrauch, der es offenließ, wer das Evangelium der Liebe richtiger versteht, der misogyne Prophet oder die von ihm betörte Prinzessin.

Mit seiner Salome, die er im originalen Wortlaut Wildes in deutscher Übersetzung und mit einigen Kürzungen vertonte, gelang dem 40-jährigen Richard Strauss der Durchbruch als Opernkomponist. In die Partitur des Einakters ging die ganze flamboyante Instrumentations- und Satzkunst seiner orchestralen Tondichtungen ein, mit denen er spätestens seit 1886 Furore gemacht hatte; in die effektvolle Behandlung der Singstimmen floss die in München, Bayreuth und Weimar gesammelte Erfahrung seiner Opernkapellmeisterkarriere ein. Die Oper ist ein musikdramaturgisches Meisterstück an perfektem Timing und Suspense, bei differenziertester musikalischer Auffächerung des äußeren und vor allem auch innerpsychologischen Geschehens. Wurden die harmonischen, klanglichen und satztechnischen Kühnheiten der Musik vom konservativen Establishment als formauflösend und »neutönerisch« gebrandmarkt, ist das Werk heute ein Fixstern eines jeden Opernrepertoires, der so sinnen- und gedankenverwirrend funkelt und gleißt wie am ersten Tag.

 

SPOTIFY-PLAYLIST ZUR EINSTIMMUNG



Über die Playlist

Große Momente aus sechs Jahrzehnten Aufnahmegeschichte: rauschhaft-sinnliche Orchesterklänge unter Fritz Reiner und Georg Solti, delikate Pianokünste von Montserrat Caballé, Bryn Terfel als Johannes der Täufer – und drei legendäre Salome-Sängerinnen mit dem Schlußgesang: Maria Cebotari, Ljuba Welitsch und Inge Borkh.

 

»Ah! Warum hast du mich nicht angesehn,
Jochanaan? Du legtest über deine Augen die Binde eines,
der seinen Gott schauen wollte. Wohl!
Du hast deinen Gott gesehn, Jochanaan,
aber mich, mich, hast du nie gesehn.
Hättest du mich gesehn, du hättest mich geliebt!
Ich dürste nach deiner Schönheit.
Ich hungre nach deinem Leib.
Nicht Wein noch Äpfel können mein Verlangen stillen.
Was soll ich jetzt tun, Jochanaan?
Nicht die Fluten, noch die großen Wasser
können dieses brünstige Begehren löschen.
Oh! Warum sahst du mich nicht an?
Hättest du mich angesehn,
du hättest mich geliebt.
Ich weiß es wohl, du hättest mich geliebt.
Und das Geheimnis der Liebe ist größer
als das Geheimnis des Todes.«