© Sheila Rock

Nächste Premiere: "Parsifal"

Am 30. März feiert Wagners Parsifal unter Leitung von Semyon Bychkov Premiere. Die Inszenierung und das Bühnenbild der Neuproduktion stammen von Alvis Hermanis: Der in Riga geborene Regisseur, der unter anderem am Burgtheater, bei den Salzburger Festspielen, an der Mailänder Scala, der Münchner Staatsoper, bei den Wiener Festwochen, in Berlin, Zürich und in vielen weiteren europäischen Städten wirkte, debütiert mit dieser Arbeit an der Wiener Staatsoper.

Alvis Hermanis’ Inszenierungskonzept verlagert die Parsifal-Handlung in die Zeit vor den Ersten Weltkrieg und nach Wien. Denn diese Stadt, so Hermanis, war um 1900, was Kunst und Wissenschaft betrifft, ein „Laboratorium für die ganze restliche Welt“. Musik, Literatur, bildende Kunst, Architektur, Technik, Medizin, Forschung, nicht zuletzt die Psychoanalyse wurden an diesem Brennpunkt weitergebracht, Wien war das, was „Silicon Valley für das 21. Jahrhundert ist“, so Alvis Hermanis im Gespräch mit Oliver Láng für das Programmheft. Als Kunstgriff verbindet Hermanis den Kosmos des Wagnerschen Parsifal mit der Wiener Architekturwelt Otto Wagners, indem er in seinem Bühnenbild ganz konkrete Zitate aus dessen Bauten bringt. Zentral ist dabei der Krankenhaus-Komplex in Steinhof bzw. die Otto Wagner-Kirche. Die Suche nach dem Gral ist bei Hermanis auch eine Suche nach geistiger Entwicklung, und so sind Gurnemanz und Klingsor zwei Ärzte, die um die Vorherrschaft über den Geist ihrer Patienten ringen. Die Patienten wiederum – zu ihnen gehört Amfortas – befinden sich nicht nur in der Realität um 1900, sondern erspielen sich die historische Handlung der Oper als Therapie. Und so verbinden sich diese beiden Zeitschienen miteinander und die Konturen zwischen Spiel und Wirklichkeit, zwischen Schein und Sein verschwimmen. Wie in seiner Trovatore-Inszenierung in Salzburg, bei der scheinbar Unbeteiligte in eine Gemäldelandschaft eines Museums eintauchten, spielt Hermanis auch diesmal mit der Überlagerung unterschiedlicher Ebenen. Dabei soll sein Konzept nicht dogmatisch verstanden werden, sondern als eine mögliche Interpretation des Werks, eine mögliche, persönliche Erzählung der Geschichte.

Für die Kostüme zeichnet die lettische Kostüm- und Bühnenbildnerin Kristīne Jurjāne verantwortlich, für das Licht Gleb Filshtinsky und für die Videoprojektionen Ineta Sipunova – ebenso wie Regisseur Alvis Hermanis sind sie erstmals für die Wiener Staatsoper tätig.

Erstmals wird KS Nina Stemme an der Wiener Staatsoper die Partie der Kundry übernehmen. Die Kammersängerin gestaltete im Haus am Ring eine Anzahl an zentralen Partien, wie etwa die Ariadne, Senta, Marschallin, Minnie, Leonore, Tosca, Leonora (Forza del destino), Isolde, Sieglinde, Brünnhilde (Walküre,Siegfried, Götterdämmerung) und zuletzt Elektra.

Den Parsifal gibt Christopher Ventris, der die Partie an diesem Haus schon elfmal gestaltet hat. Weitere Rollen des Tenors an der Wiener Staatsoper waren unter anderem Jim Mahoney (Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny), Siegmund und Andrei Chowanski.

Als Amfortas ist Gerald Finley zu hören, der an der Wiener Staatsoper 2012 als Conte Almaviva in Le nozze di Figaro debütierte und auch noch den Förster im Schlauen Füchslein sang.

Jochen Schmeckenbecher, er gestaltete an der Wiener Staatsoper unter anderem Musiklehrer (Ariadne auf Naxos), Alberich (Rheingold, Siegfried, Götterdämmerung), Kurwenal (Tristan und Isolde) und Faninal (Rosenkavalier), wird den Klingsor singen.

Hans-Peter König – hier bisher als Daland im Fliegenden Holländer zu erleben – gestaltet den Gurnemanz.

In den weiteren Rollen sind die Staatsopern-Ensemblemitglieder Jongmin Park als Titurel (Rollendebüt am Haus); Benedikt Kobel und Ayk Martirossian als Gralsritter; Ulrike Helzel, Zoryana Kushpler, Thomas Ebenstein und Bror Magnus Tødenes als Knappen; Ileana Tonca, Olga Bezsmertna, Margaret Plummer, Hila Fahima, Caroline Wenborne und Ilseyar Khayrullova als Blumenmädchen und Monika Bohinec als Stimme von oben zu hören.


Parsifal | Richard Wagner
Premiere: 30. März
Reprisen: 2., 6., 9., 13., 16. April

Karten & mehr
 

DIRIGENTSemyon Bychkov
REGIE UND BÜHNEAlvis Hermanis
KOSTÜMEKristine Jurjane
LICHTGleb Filshtinsky
VIDEOIneta Sipunova
 
AmfortasGerald Finley
GurnemanzHans-Peter König
ParsifalChristopher Ventris
KlingsorJochen Schmeckenbecher
KundryNina Stemme
TiturelJongmin Park
1. GralsritterBenedikt Kobel
2. GralsritterAyk Martirossian
1. KnappeUlrike Helzel
2. KnappeZoryana Kushpler
3. KnappeThomas Ebenstein
4. KnappeBror Magnus Tødenes
1. Blumenmädchen/1. GruppeIleana Tonca
2. Blumenmädchen/1. GruppeOlga Bezsmertna
3. Blumenmädchen/1. GruppeMargaret Plummer
1. Blumenmädchen/2. GruppeHila Fahima
2. Blumenmädchen/2. GruppeCaroline Wenborne
3. Blumenmädchen/2. GruppeIlseyar Khayrullova
Stimme von obenMonika Bohinec