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Ballett

Tradition und Innovation
Reprisen des Diaghilew-Abends des Wiener Staatsopernballetts

von Alfred Oberzaucher



Sergei Diaghilew, Schöpfer der legendären Ballets Russes, ist eine Allzeit-Größe der Tanzkunst, der nur Wenige an Bedeutung gleichkommen. Der große Russe verwirklichte im ersten Drittel des
20. Jahrhunderts in den Metropolen Westeuropas seine Vision eines Gesamtkunstwerks, das Ballett, Musik und Bildende Kunst zu gleichrangigen Partnern macht. Paris und London wurden mit einem Schlag zu Austragungsorten eines neuen Ballettverständnisses. In Mitteleuropa hingegen, das zu jener Zeit den von Musik und Ausstattung weitgehend emanzipierten Modernen Tanz bevorzugte, setzte sich Diaghilews Auffassung anfangs nur zögerlich durch. Die Rezeption der Originalfassungen der von Diaghilew initiierten Ballette erfolgte hier erst lange nach seinem Tod. Zwei dieser überlieferten Ballette stehen nun auf dem Spielplan des Wiener Staatsopernballetts: Michail Fokins 1911 choreographiertes Le Spectre de la rose und Léonide Massines Der Dreispitz aus dem Jahr 1919. Beide Werke sind untrennbar verbunden mit den Namen ihrer Ausstatter: Léon Bakst und Pablo Picasso. Was die Bewahrung und Weitergabe des choreographischen Anteils betrifft, sind diese Ballette fest in Familienhand: Fokins Enkelin Isabelle und Massines Sohn Lorca stellen sich durch authentische Einstudierungen der Aufgabe, das Publikum von heute zu Augenzeugen einer Tradition zu machen, die als "Weitergabe des Feuers" angesehen werden möchte.



Anders verhält es sich bei Renard und Petruschka, den beiden anderen Werken des Diaghilew-Abends. Hier folgt Renato Zanella der Spur, die den innovativen Aspekt in Diaghilews Wirken beschreibt. Die neu gefaßten Strawinski-Ballette stellen sich nun in der Sicht eines Choreographen unserer Zeit dar, wobei es für Zanella wichtig war, dem durch Diaghilew vorgegebenen Beispiel des Zusammenspiels von Tanz und Bildender Kunst Folge zu leisten. Dies verwirklichte er, indem er zwei der bedeutendsten Persönlichkeiten der Gegenwartskunst, Attersee und Nitsch, für die Bühnenlösungen der beiden Stücke gewinnen konnte.


Im Repertoire:
Wiener Abend




Zwei Highlights des internationalen Repertoires — Petite Mort und Sechs Tänze von Jirí Kylián — werden in dem musikalisch wie choreographisch auf höchstem Niveau stehenden Wiener Abend (am 30. April) von Stücken umrahmt, die Renato Zanella für die Tänzerinnen und Tänzer des Wiener Staatsopernballetts kreiert hat:
Beethoven Opus 73 aus dem Jahr 2000 und das drei Jahre davor entstandene Alles Walzer. Der gemeinsame Nenner der vier Stücke: lautet "Wiener Musik". Getanzt wird zu Kompositionen der gebürtigen Wiener Johann Strauß Sohn und Josef Strauß sowie der "Zuwanderer" Mozart, Beethoven und Mahler.


Gastspiel in Madrid

Fünf Jahre nach seinem Gastspiel im Madrider Teatro Real tritt das Wiener Staatsopernballett am 15., 16. und 17. April erneut in der spanischen Hauptstadt auf. Auf dem Programm, das im Rahmen des Madrid Festivals im Teatro Albéniz gezeigt wird, stehen William Forsythes Slingerland pas de deux sowie die Zanella-Choreographien Sensi, Beethoven Opus 73 (2. Satz), BoleroAlles Walzer. Es tanzen Eva Petters, Jürgen Wagner, Kathrin Czerny, Shoko Nakamura, Wolfgang Grascher u. a.


Ballettnachwuchs gesucht



Am Montag, 2. Mai, und am Dienstag, 3. Mai 2005, finden jeweils ab 15 Uhr für Mädchen und Buben, die derzeit die 1. bis 3. Klasse Volksschule besuchen, Aufnahmsprüfungen in die Ballettschule der Wiener Staatsoper statt. Die Aufnahmsprüfung ist kostenlos, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Alle Kinder, die in die engere Wahl kommen, werden von einem Orthopäden untersucht.
Anmeldungen erbeten unter:
Tel. 514 44-2641, Fax: 514 44-2631 ballettschule@wiener-staatsoper.at
www.opera-balletschool.com
       
 
     
 
       
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