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Rückblick
News um Ioan Holender
Zur Erinnerung an die große Diva des 20. Jahrhunderts fand Anfang März in Athen der Maria Callas Competition 2005 statt. Der hochkarätig besetzten Jury gehörte neben ehemaligen Gesangsstars wie Joan Sutherland (Bild rechts), Luigi Alva und Inge Borkh (links) auch Staatsopern-Direktor Ioan Holender (mitte) an. Dieser mußte sich kurz nach seiner Rückkehr aus Athen einer Bypass-Operation unterziehen. Der Eingriff am Herzen verlief erfolgreich, teilte der ärztliche Direktor des AKH, Reinhard Krepler, in einer Presseaussendung mit.
Fulminante Wiederaufnahme
"Die Staatsoper hat sie wieder — die spannende, in ihrer Intensität packende Inszenierung von Peter Grimes: ... Simone Young am Pult taucht mit Sängern und Orchester in die magisch leuchtende Klangwelt ... ein. Ein Ereignis." Mit diesen Worten faßte Karlheinz Roschitz in der Kronenzeitung die Wiederaufnahme von Brittens packendem Außenseiterdrama zusammen. Zu den zahlreichen Rollendebüts, die diesmal zu verzeichnen waren, zählten die Sänger der beiden Hauptpartien, Gabriel Sadé und Melanie Diener. Beide wurden von Presse und Publikum ebenso gefeiert wie die Dirigentin Simone Young. "Melanie Diener als Lehrerin Ellen Orford wandelt als sanfter Engel durchs bittere Geschehen, phrasiert samtweich und schön, kann aber Peter Grimes nicht retten, der sich in Sadés vielschichtiger Gestaltung selbst so sehr im Wege steht, wie die anderen ihm", schrieb etwa Wilhelm Sinkovicz in der Presse und schloß mit dem Satz: "Das (durfte) nicht ungehört — und angesichts von Christine Mielitz' fesselnder Regie nicht ungesehen bleiben."
"Ein musikalisches Ereignis"
Nach rund 15jähriger Absenz kehrte Massenets Werther am 19. Februar 2005 in einem musikalischen Triumphzug zurück an die Wiener Staatsoper. Ist auch die Inszenierung nicht auf einhellige Zustimmung bei Publikum und Presse gestoßen, so konnten die Sänger, allen voran Elina Garanca als Charlotte und Marcelo Álvarez als Werther sowie der Dirigent Philippe Jordan einen großen Erfolg für sich und das Haus verbuchen. "Zum erwarteten Sängererfolg machten Marcelo Álvarez und Elina Garanca ... die Staatsopernpremiere von Jules Massenets Werther", urteilte etwa Georg Leyrer in der APA, um dann in seinen weiteren Ausführungen auch Adrian Eröd als Albert positiv hervorzuheben:
"Der mit fortschreitendem Abend und Leidensgrad bis zur Großartigkeit aufblühende Álvarez in der tragischen Titelrolle und die von Beginn an beeindruckende, ausdruckssichere und hell-kraftvoll glänzende Garanca als die umworbene Charlotte, aber auch Adrian Eröd als in seiner Machtlosigkeit strenger Ehemann Albert spielten den allseits erwarteten Sängersieg sicher nach Hause." Geradezu überschwenglich fiel die Kritik Gert Korentschnigs im Kurier aus: "Ein Glücksfall ist die Besetzung der Charlotte mit Elina Garanca. Sie sieht blendend aus, spielt ausgezeichnet und singt überragend. Ihr Mezzo ist warm, fein timbriert, technisch ausgereift, sicher in allen Lagen, noch sehr lyrisch, dennoch schon mit Dramatik gesegnet und eine Freude für jeden Opernbesucher. Hier wächst ein Star heran ... Marcello Álvarez ist ein ... sängerisch überzeugender Werther an ihrer Seite, mit genügend Schmelz in der Stimme, guter Höhe, prachtvoller Phrasierung und klugem Einsatz all seiner Mittel." Nicht unerwähnt läßt er darüber hinaus bei den kleineren Rollen die Leistungen Alfred Šrameks (der übrigens im vergangenen März sein 30jähriges Bühnenjubiläum an der Wiener Staatsoper feierte) und Ileana Toncas, deren Le Bailli beziehungsweise Sophie als "idealbesetzt" beschrieben werden.
Philippe Jordans Dirigat vergleicht Wilhelm Sinkovicz in der Presse mit den jüngsten, unbestritten grandiosen Arbeiten von Christian Thielemann und Bertrand de Billy im Haus am Ring: "An Premieren waren in der jüngeren Staatsopern-Vergangenheit nur ... Tristan und Don Carlos gleichermaßen gestaltet und künstlerisch durchgeformt. Womit Philippe Jordan der zweite junge Künstler ist, der diesen Werther zu einem musikalischen — und im Fall der Soloszenen der Charlotte — auch zu einem musiktheatralischen Ereignis macht." Und Karlheinz Roschitz schreibt in der Kronenzeitung: "Philippe Jordan bringt für Massenet viele Vorzüge mit: Jordan streift Massenets Süßlichkeiten, den Zuckerguß und das Schwelgen im Delikat-Künstlichen ab. Er geht analytisch an die Szenen heran, setzt auf Struktur statt Parfüm, strafft den Klang, gibt ihm elegante Schlankheit und ... beschwört doch überzeugend die Atmosphäre des Werkes."
Zu den Kritikern, die auch Regisseur Andrei Serban und Bühnenbildner Peter Pabst nicht ablehnend gegenüberstanden, gehört Christina Mondolfo in der Wiener Zeitung, die die optische Umsetzung folgendermaßen zusammenfaßt: "Ein Aufreger wie Don Carlos ist Werther nicht, aber eine solide, gefällige Arbeit, die ihren Platz im Repertoire der Staatsoper verdient."
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