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Die Mittelloge gewährt einen eindrucksvollen Blick auf den hufeisenförmigen Zuschauerraum, der nach dem Zweiten Weltkrieg vollständig neu aufgebaut werden mußte. Erich Boltenstern, Professor der Technischen Hochschule und der Akademie der Bildenden Künste in Wien, wurde aufgrund eines Wettbewerbs mit der Ausführung des Zuschauerraums, der neuen Stiegenaufgänge auf die ehemalige 3. Galerie, sämtlicher Publikumsgarderoben und der Pausenräume in den oberen Rängen betraut; die Architekten Otto Prossinger, Ceno Kosak und Felix Cevela übernahmen die Ausgestaltung der Pausenräume im ersten Rang. Die Grundgestalt des Logentheaters mit drei Logenrängen und zwei offenen Rängen (Balkon und Galerie) nach den Plänen Sicardsburgs und van der Nülls wurde beibehalten. Boltenstern beschränkte sich darauf, die dritte Galerie (heute Balkon) etwas anzuheben. Die Säulen auf der dritten und vierten Galerie konnten wegfallen, da keine statische Notwendigkeit mehr für sie bestand; an ihrer Stelle wurde eine freischwebende Deckenkonstruktion gewählt, welche die Sichtverhältnisse wesentlich verbessert hat.
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Der Fassungsraum des Auditoriums beträgt statt wie zuvor 2881 nun 2284 Plätze (davon 1709 Sitz-, 567 Steh-, 4 Rollstuhl- und 4 Begleiterplätze). Die Verringerung der Anzahl ist durch strengere bau- und feuerpolizeiliche Vorschriften bedingt. Die Logenbrüstungen aus Eisenbeton wurden aus akustischen Gründen mit Holz verkleidet (die Akustik des Wiener Opernhauses ist von beispielloser Brillanz), die Zugänge zum Saal wurden vermehrt und behindertengerecht gestaltet. Einige der seitlichen oberen Rangsitze mit eingeschränkter Sicht wurden mit Lampen zum Mitlesen ausgestattet. Die traditionellen Farben Rot-Gold-Elfenbein für das Auditorium wurden übernommen, aber das üppige Interieur durch schlichtere, zeitlose Gestaltung ersetzt. Keine Gemälde, Reliefs oder Säulen schmücken mehr den Innenraum, der große Mittelluster wurde aus Sicherheitsgründen durch einen in die Decke eingebauten Beleuchtungskranz aus Kristallglas ersetzt. Dieser wiegt etwa 3000 Kilogramm und beinhaltet 1100 Glühbirnen. Die Konstruktion hat einen Durchmesser von 7 Metern, ist 5 Meter hoch und bietet Raum für einen Beleuchterstand und Gänge zur Wartung des Lichtkranzes.
Prof. Rudolf Eisenmenger gestaltete auch den sogenannten eisernen Vorhang, der den Zuschauerraum von der Bühne trennt. Er zeigt ein Motiv aus Glucks Oper Orpheus und Eurydike. Im Frühjahr 1998 wurde museum in progress mit der Realisierung einer Serie von Großbildern - eines pro Saison - für die Staatsoper beauftragt. Die Umsetzung und Fixierung der Bilder erfolgt über ein eigens entwickeltes Verfahren, das sowohl die Erhaltung des Eisenmenger-Bildes als auch eine optimale Qualität des neu zu schaffenden zeitgenössischen Werkes garantiert. Mit der Schaffung eines Museumsraumes in der Wiener Staatsoper entspricht das Traditionsgebäude seiner Verantwortung, gegenüber zeitgenössischen künstlerischen Entwicklungen offen zu sein.
[Galerie: Alle Bilder am Eisernen Vorhang seit 1998]
Der Orchestergraben beherbergt allabendlich die Musiker des vielleicht berühmtesten Ensembles der Welt: aus den Mitgliedern des Staatsopernorchesters rekrutieren sich die Wiener Philharmoniker. Der Orchesterraum bietet mit seiner Größe von 123m2 etwa 110 Musikern Platz. Er ist mit hebbaren Fußböden ausgestattet, sodaß seine Höhe variiert werden kann. Dies dient dazu, akustische Wirkungen zu erzielen und bei kleineren Besetzungen Auftritte auf der Vorbühne zu ermöglichen.
Das gesamte Gebäude ist mit einer altertümlich anmutenden, aber wirkungsvollen "Klimaanlage" ausgestattet: Durch einen unterirdischen Tunnel wird Frischluft aus dem nahe gelegenen Burggarten angesaugt. Der Luftstrom wird im Winter vorgewärmt, in der warmen Jahreszeit streicht er an Eisblöcken vorbei (die übrigens im Haus erzeugt werden) und kühlt so ab. Die Oper wird, ebenso wie das Burgtheater, ferngeheizt.
Zur Feuersicherung dienen drei eiserne Vorhänge: die Hauptkurtine, welche die Bühne vom Zuschauerraum trennt, und zwei weitere, die Seiten- und Hinterbühne feuersicher abschließen. Im übrigen wurde schon bei der technischen Konstruktion der neuen Hausteile auf größte Sicherheit hingezielt: die früheren Holzdecken wurden durch Stahlbetondecken ersetzt. Anstelle des einstmaligen Schieferdaches mit Zwischenschindeln aus Holz trat eine feuer-, wasser- und windsichere Kupferhaut auf einer dünnen Eisenbetonschale, womit ein Wunsch des Architekten van der NüIl verspätet in Erfüllung ging. Im obersten Geschoß wurden statt der Dächer über den Vorbauten des Zuschauerhauses begehbare Terrassen geschaffen, die nicht nur zusätzliche Fluchtwege, sondern auch ideale Pausenräume für die warme Jahreszeit bieten. Seit September 1999 beherbergt die große Terrasse ein Theater auf dem Theater: das mobilkom austria Zelt für Kinder.
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