Interview mit Vladimir Shishov
Der Erste Solotänzer Vladimir Shishov hat zu seiner nächsten großen Rolle, die er an der Wiener Staatsoper tanzen wird, eine ganz besondere Beziehung. Warum? Das wird er uns selbst erklären.
Frage: Es ist nicht das erste Mal, dass sie sich auf die Rolle des Basil in "Don Quixote“ vorbereiten.
Shishov: Nein. Ich habe bereits als 18-jähriger damals am Mariinski Theater diese Rolle tanzen dürfen. Allerdings war das nicht die Nurejew Version, die wir zurzeit hier für die Staatsoper proben, sondern noch die ursprüngliche Marius Petipa Fassung.
Frage: Aber auch mit der Nurejew Fassung haben sie sich schon eingehend beschäftigt.
Shishov: Ja, letzte Saison. Damals war ich ja schon dafür vorgesehen und habe mich schon sehr auf den Basil gefreut. Dann hab ich mich ausgerechnet im Training verletzt und musste die Rolle zurücklegen. Das hat mich natürlich sehr geärgert. Aber ich hab mich wieder zurückgekämpft. Umso mehr ist es für mich natürlich jetzt eine große Herausforderung, mich wieder dieser anspruchsvollen Rolle anzunähern. Sie verlangt sehr schnelle Bewegungen, hat ein sehr hohes Tempo und viele schwierige Variationen.
Frage: Es ist ja bereits ihre zwölfte große Rolle in einem abendfüllenden Ballett. Was dabei auffällt, ist, dass sie in den letzten Jahren ihrem großen klassischen Repertoire auch immer mehr moderne Rolle hinzufügen konnten.
Shishov: Ich komme ja von der Marinskii Akademie. Da war Klassik das oberste Prinzip. Peu a peu hab ich mich aber auch – vor allem hier in Wien – der modernen Technik zuwenden können und immer mehr Spaß daran gefunden. Vor allem, weil es einem mehr Freiheiten in der Gestaltung einer Rolle bietet. Hier möchte ich vor allem Jorma Elos "Sommernachtstraum“, der nächste Saison wieder in der Volksoper zu sehen sein wird, und Patrick de Banas „Marie Antoinette“ hervorheben, bei deren Rollengestaltung ich als Tänzer gemeinsam mit dem Choreographen viel einbringen durfte.
Frage: Was zeichnet nun diese berüchtigte Nurejew Technik so aus?
Shishov: Wir hatten in St. Petersburg leider keine Nurejew Ballette im Repertoire. Im Unterschied zu der Originalfassung, ist Rudolf Nurejews "Don Quixote“ gespickt mit komplexen technischen Raffinessen und eine echte Hürde, die man im Ballett erst einmal nehmen muss. Wenn man die Technik erst einmal beherrscht, spielt auch das Gefühl noch eine sehr große Rolle. Das ist für mich an sich immer sehr wichtig, ob eben in den Nurejew Balletten oder auch in "Onegin“, "Anna Karenina“ oder "Manon“. Für diese Emotion lebe ich auf der Bühne. Frédéri in "L’Arlésienne“ und der junge Mann in "Le Jeune Homme et la Mort“ sind auch so starke Rollen, die mir – denke ich – gut liegen würden.
Frage: Welche künstlerischen Perspektiven schweben ihnen so für die nächsten Jahre vor?
Shishov: Ich kann mir für später durchaus einmal vorstellen, als Pädagoge zu arbeiten und meine Erfahrungen, die ich mir in den letzten Jahren mit den unterschiedlichsten Rollen, erarbeitet habe, weiter zu geben. Jetzt hab ich aber noch viel mit dem Wiener Staatsballett als Tänzer vor. Zunächst geht es mit Roland Petits "Fledermaus“ und einer Gala nach Japan und danach kommt schon "Don Quixote“. Und außerdem würde ich mich neben den Prinzenrollen auch gerne mal in Charakterfach ausprobieren. Tybalt in "Romeo und Julia“ wäre so eine Rolle, die mich reizen würde.
Wiener Staatsoper
Don Quixote
Termine: 23., 28. Mai, 2., 7. (nachmittags und abends) Juni 2012

