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Interview mit der Ersten Solotänzerin Maria Yakovleva

Die Erste Solotänzerin Maria Yakovleva huscht derzeit von einer Probe zur anderen. Für die Staatsoper bereitet Sie gerade ihre beiden Rolle in Roland Petits „L´Arlésienne“ und Nils Christes „Before Nightfall“ vor, die gemeinsam mit Serge Lifars „Suite en blanc“ im Rahmen des Abends „Meisterwerke des 20. Jahrhunderts“ ab 12. Februar in der Wiener Staatsoper zu sehen sein werden. Und für die Volksoper Wien probt sie derzeit für die bevorstehende Serie von Maurice Bejárts Ballett „Le Concours“ die Rolle der Ada. Trotzdem hat Sie sich kurz Zeit genommen, um uns ein wenig über ihre anstehenden interessanten Aufgaben zu berichten.

Frage: Maurice Bejárt nimmt in seinem Werk „Le Concours“ die Ballettwelt und deren Wettbewerbe aufs Korn. Hatten Sie im Laufe ihrer Ausbildung oder Karriere selbst Erfahrungen mit derartigen Bewerben oder Auditions?

Yakovleva: Zum Glück nicht. Das ist mir in meiner Karriere bislang erspart geblieben und wird wahrscheinlich auf mich auch nicht mehr zukommen. Nach meiner Ausbildung in St. Petersburg ist ein Großteil unserer Klasse direkt ins Ensemble übernommen worden. Man hat uns schon bei der Abschlussprüfung gut auf die Füße geschaut und uns offenbar für gut genug befunden. Ein einziges Mal wäre es um ein Haar passiert, als unsere gesamte Klasse zum Vaganova-Wettbewerb angemeldet war. Aber man hat uns damals auf Grund unseres jungen Alters nicht genommen. Den Wettbewerb hat damals übrigens Polina Semionova gewonnen, die zwei Jahre älter ist als ich. Auch später habe ich an keinen Wettbewerben mehr teilgenommen. Ich wurde nur auf Grund meiner künstlerischen Leistung in „Rubies“ für den Prix Benois de la Danse nominiert. Das ist aber kein Wettbewerb, sondern basiert auf einem reinen künstlerischen Auswahlverfahren.

Frage: Was halten Sie selbst von derartigen Wettbewerben?

Yakovleva: Wem es Spaß macht, der kann es gerne machen. Aber meist ist das Ganze schon sehr reduziert auf die Technik. Man kann oft in den zur Verfügung stehenden fünf Minuten keine Rolle mit den dazugehörigen Emotionen entwickeln, auf die es aber schlussendlich auf der Bühne ankommt.

Frage: Ist die Prima Ballerina Ada ihre erste Rolle in einem Bejárt Ballett?

Yakovleva: Ja, sie technisch natürlich nicht vergleichbar mit meinem sonstigen Rollen in „Giselle“, „Schwanensee“, „Don Quixote“ oder „La Sylphide“, aber sie hat auch so ihre Tücken, und man muss sehr konzentriert sein, weil wahlsinnig viel auf der Bühne los ist, und die Szenen sehr schnell abwechseln.

Frage: Sie sind ja schon viele Bühnentode gestorben. In welche Kategorie würde sie den in „Le Concours“ einordnen?

Yakovleva: Eher zu den Überraschenden. Denn in Balletten wie „Manon“, „Romeo und Julia“, „Giselle“, „Mayerling“ und „Die Bajadere“ hat man ja quasi das ganze Stück über Zeit, sich in irgendeiner Form emotional darauf vorzubereiten. Hier trifft es einen wie ein Keulenschlag.

Frage: Bejárt hat ja seinen „Concours“ auch bewusst wie ein Kriminalfilm angelegt.

Yakovleva: Ja, es ist ein Ballett, das ohne Pause analog wie ein Film abläuft. Es gibt ein Opfer, einen Kommissar und sechs Verdächtige. Es ist also sehr spannend, und das Publikum kann auch selbst mit raten. Es gibt aber auch viele Momente, in denen man Lachen kann. Eine gute Mischung also.

Frage: Zu einer der Verdächtigen im Ballett zählt ja auch die sehr beharrliche Lehrerin von Ada. Können Sie sich selbst auch noch an ähnliche Erlebnisse während Ihrer Ausbildung erinnern.

Yakovleva: Oh ja, sehr gut. Wir hatten tolle und verständnisvolle Ballettlehrerinnen, aber sie waren auch sehr streng. Neben dem täglichen Schultraining von Montag bis Samstag habe ich am Sonntag auch noch circa drei Stunden privat freiwillig mit einer Lehrerin probiert. Diese Szene in „Le Concours“, in der Ada von ihrer Lehrerin immer wieder aufgefordert wird, von Neuem zu beginnen, obwohl sie schon ziemlich am Ende ist, kenne ich gut. Aber wie man sieht, hat es sich zumindest bei mir ja auch ausgezahlt.

Frage: Das kann man wohl sagen, denn Sie haben in ihrem jungen Alter ja bereits fast alle wichtigen Rollen des klassischen und neoklassischen Repertoires getanzt. Was haben Sie sich denn eigentlich noch aufgehoben?

Yakovleva: Da gibt es schon noch ein paar Sachen, für die man etwas reifer sein sollte – wie etwa „Die Kameliendame“ oder auch die Tatjana in „Onegin“. Auf diese zwei Rollen freue ich mich aber schon jetzt. Bis dato hat man mich für die Tatjana immer noch zu jung befunden, aber auch das wird sich früher oder später mal ändern.

Volksoper Wien
Le Concours
Termine: 10., 19. Jänner, 2., 5. (nachmittags), 8. Februar, 31. Mai, 4. Juni 2012

Wiener Staatsoper
Meisterwerke des 20. Jahrhunderts
Premiere: 12. Februar 2012
Reprisen: 13., 19., 20., 23. Fberuar, 3. März 2012

 
bundestheater.at