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Interview mit der Ersten Solotänzerin Liudmila Konovalova

Die Erste Solotänzerin Liudmila Konovalova, die seit vergangener Saison dem Wiener Staatsballett angehört, erzählt Ihnen ein wenig über ihre Arbeit an der Rolle der Aurora in "Dornröschen".

Frage: Sie haben jetzt nach ihren Erfolgen als "Giselle" und als Kitri in "Don Quixote" erstmals die Möglichkeit, Prinzessin Aurora in der Wiener Staatsoper zu tanzen. Welche Gefühle begleiten sie bei der Erarbeitung dieser technisch sehr anspruchsvollen Partie?

Konovalova: Es ist zum Glück ja nicht das erste Mal, dass ich diese Rolle tanze. Ich habe bereits in Berlin gemeinsam mit Vladimir Malakhov in dessen Fassung Aurora tanzen dürfen. Aber, ich muss, sagen, es ist immer wieder eine große Herausforderung, denn man hat am Beginn des Stücks nur ganz kurz Zeit, um sich auf der Bühne zurechtzufinden, und dann geht es beim "Rosenadagio" gleich voll zur Sache. Hier muss ich mich auf meine vier unterschiedlichen Partner sehr gut verlassen können, denn die Balancen und Drehungen zählen mit zu den schwierigsten, die es im klassischen Ballettrepertoire gibt.

Frage: Wie bereiten sie sich auf eine solch anspruchsvolle Rolle vor?

Konovalova: Im Vordergrund steht für mich zunächst die konzentrierte Probenarbeit im Ballettsaal. Denn um auf der Bühne wirklich frei agieren zu können, muss der Körper technisch alles abrufbereit haben. Dann kann man die Momente als Tänzerin auf der Bühne erst so richtig genießen und dem Publikum mit dem Erzählen einer Geschichte Freude bereiten. Das war immer mein Ziel. Ich habe mich schon als Kind darauf gefreut, große Rollen auf der Bühne interpretieren zu können, und nun möchte ich es auch genießen können. Natürlich gibt es vor jeder Vorstellung auch Lampenfieber, aber das braucht man, um die richtige Konzentration zu finden.

Frage: Bei den Proben zu "Dornröschen" hatten sie je eine perfekte Unterstützung in der Person der ehemaligen Ersten Solisten Brigitte Stadler, die selbst ja in dieser Rolle hier an der Wiener Staatsoper geglänzt hat.

Konovalova: Ja, das war wirklich eine große Hilfe. Nicht nur im Ballettsaal, sondern auch darüber hinaus. Man braucht eine Vertrauensperson, die einem zum richtigen Zeitpunkt mit ehrlichem Rat und Tat zur Seite steht. Und Brigitte Stadler war und ist in der Erarbeitung dieser technisch schwierigen Rolle immer für mich da. Selbst, wenn man oft nach einer anstrengenden Probe total müde und fertig ist, findet sie immer noch aufbauende Worte und konstruktive Kritik, um noch besser zu werden.

Frage: Ist nun für sie mit Aurora ein Traum in Wien für sie in Erfüllung gegangen?

Konovalova: Ja, welche Tänzerin träumt nicht davon, einmal für drei Stunden als Prinzessin im Rampenlicht zu stehen. Die Rolle hat aber auch seine Tücken. Man muss nämlich dem Publikum glaubhaft versichern können, dass man sich von einem jungen unschuldigen Mädchen innerhalb der Vorstellung zu einer echten Prinzessin entwickeln kann. Wenn mir das gelingt, würde mich das sehr freuen. Und wir wissen ja, Kinder im Publikum sind da besonders kritisch.

Frage: Wie viele andere großartige Kolleginnen und Kollegen habe sie ja sicherlich auch weitere Wunschrollen, die sie in der Zukunft gerne einmal tanzen wollen.

Konovalova: Ja, klar. Mit Giselle habe ich ja schon eine ganz wichtige Rolle hier an der Wiener Staatsoper tanzen dürfen. Was mich aber mit Sicherheit noch in der Zukunft reizen würde, wäre Nikia in "Die Bajadere" und die Titelpartie in "Manon".

Frage: Habe sie sich hier in Wien schon ein wenig einleben können?

Konovalova: Ja, der Sprung von Russland nach Berlin war schwieriger als der Sprung von Berlin hierher. Was mich hier am Wiener Staatsballett unter Manuel Legris besonders reizt, ist das breitgefächerte Repertoire, das von ganz klassischen Rollen bis hin zu klassisch modernen Rollen reicht. Das entspricht auch mir als Tänzerin sehr, denn nur so kann man sich auch wirklich in alle Richtungen gut weiterentwickeln.

Wiener Staatsoper
Dornröschen (Wiederaufnahme)
Termine: 21., 23., 25. (nachmittags & abends), 28. Dezember 2011, 3., 7. Jänner 2012

 
bundestheater.at