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Interview mit Solotänzer Eno Peci

Der Solotänzer Eno Peci, der in der aktuellen Produktion "Schritte und Spuren" gleich in zwei der vier Stücke zu sehen ist, gibt Ihnen ein paar Einblicke in seine Arbeit als Tänzer.

Frage: Sie sind im Moment sehr viel im Einsatz und müssen dabei oftmals täglich bei den Proben und auch bei den Vorstellungen zwischen klassischer und moderner Technik variieren. Wie gehen sie damit um?

Peci: Das ist natürlich eine große Herausforderung. Unser Repertoire umfasst parallel sowohl ganz klassische Ballette wie "La Sylphide" oder "Dornröschen", aber auch moderne Abende wie eben "Schritte und Spuren". Für mich als Tänzer ist diese Abwechslung sehr gut, denn so bleibt der Körper ständig in Bewegung, und man kann sich stetig weiterentwickeln. Die unterschiedlichen Stile verlangen unserem Körper von "steif" bis "elastisch" alles ab. Die klassische Technik hat sehr klare Vorgaben, bei denen man nur eine schmale Bandbreite hat, um seine persönliche Note als Tänzer einzubringen. Im modernen Bereich hat man da schon einen größeren Spielraum, um Akzente zu setzen. Oftmals bietet aber die moderne Technik auch eine gute Möglichkeit, um gewisse Nuancen davon auch in die Klassik mit einzubringen. Wichtig dabei ist immer, dass der Fluss der Bewegungen stimmt.

Frage: Wie ist es für sie, ein Stück direkt mit dem Choreographen zu erarbeiten?

Peci: Das ist natürlich der Idealzustand, denn der Choreograph sieht sehr genau, was der Körper jedes einzelnen Tänzers zulässt. Er kann somit auch auf individuellen Stärken und auf die Persönlichkeit des jeweiligen Tänzers eingehen. Das ist Jiři Bubeníček in seinem Stück "Le Souffle de l'esprit" wunderbar gelungen. Man muss sich auch an keinem Vorgänger messen, kann ganz auf seinen eigenen Körper hören und mit Hilfe des Choreographen das Beste erarbeiten.

Frage: Die Musik ist ja ein ganz wichtiger Bestandteil im Ballett. Wie finden sie sich in den jeweiligen Stücken damit zurecht?

Peci: Ich bin niemand, der strikt mitzählt. Das lenkt mich zu sehr ab. Ich höre mir die Musik so lange an, bis ich die wichtigen musikalischen Übergänge vollkommen in mir spüre und sie jederzeit abrufen kann. Das ist oftmals auch eine Instinktsache. Beim Proben ist es natürlich leichter, weil man sich auf die CD hundertprozentig verlassen kann, was bei schwierigen Stücken, wie "Bella Figura" von Jiří Kylián schon sehr hilfreich ist. Wenn wir wiederum mit dem Orchester Ballette erarbeiten, ist eine gewisse Symbiose mit dem Dirigenten vor allem bei modernen Stücken unverzichtbar. Bei klassischen Stücken ist der Spielraum dann schon ein wenig größer.

Frage: Im Unterschied zum klassischen Handlungsballett gibt es im modernen Ballett ja oftmals keinen wirklichen Geschichten. Wie orientieren sie sich da als Tänzer?

Peci: Meist haben diese modernen Stücke spezielle Themen, wie Liebe, Tod oder Sinnlichkeit, wie zum Beispiel bei "Bella Figura". Unsere Kunst ist es eben, mit unserem Körper Gefühle zu vermitteln, darin liegt der magische Moment, den wir fürs Publikum spürbar machen wollen. Die Musik tut dann noch ihr Übriges, um die jeweilige dramatische oder sinnliche Stimmung zu unterstreichen.

Frage: Sie sind ja auch als Choreograph tätig. Wie gehen sie selbst an ihre Arbeit heran?

Peci: Ganz unterschiedlich. Mal gibt es ein Musikstück, das mich inspiriert, mal habe ich ein Thema, das mich beschäftig, und das ich auf der Bühne unbedingt mit den Mitteln des Tanzes umsetzen möchte. Im Prinzip ist es aber wichtig, dass es zuerst ein klares Konzept gibt, die Bewegungen und Schritte folgen dann ganz automatisch und reihen sich logisch aneinander.

Wiener Staatsoper
Schritte und Spuren
Termine: 24., 26., 30. November, 2., 5. Dezember 2011

 
bundestheater.at