Interview mit Solotänzer Denys Cherevychko
Solotänzer Denys Cherevychko blickt auf seine Anfangszeit beim Wiener Ballett zurück, berichtet über seine Arbeit mit Manuel Legris und erzählt uns, warum ihm der mehrteilige Ballettabend „Juwelen der Neuen Welt II“, in dem er ab 11. April wieder in der Wiener Staatsoper zu sehen sein wird, so am Herzen liegt.
Frage: Sie sind ja bereits 2006 mit 18 Jahren an die Wiener Kompanie engagiert worden. Wie kam es dazu?
Cherevychko: Nachdem ich zuerst Ballettunterricht in meiner Heimat – der Ukraine – hatte, wurde man bei einem Tanzwettbewerb in Kiew, den ich gewonnen habe, auf mich aufmerksam. So kam ich mit 16 Jahren zunächst an die Heinz-Bosl-Stiftung nach München. Dort lernte ich meinen damaligen Lehrer Alexander Prokofjew kennen. Er war in den folgenden zwei Jahren für mich die wichtigste Person. Von ihm habe ich all das gelernt, auf was ich heute zählen kann: Technik und Ausdruck. Mit 18 hat mich dann der ehemalige Wiener Ballettdirektor Gyula Harangozó, der ebenfalls ein Schüler von Prokofjew war, bei einem Training gesehen und mich ermutigt, mich in Wien zu bewerben. Und nun bin ich hier. Und hier möchte ich auch bleiben, denn Wien ist wie eine zweite Heimat für mich geworden.
Frage: Danach ging es ja auch dann gleich sehr erfolgreich weiter. Wie waren ihre Stationen?
Cherevychko: Ja, nach der Premierenvorstellung von „Max und Moritz“ in der Volksoper Wien wurde ich 2007 zum Halbsolisten ernannt und konnte auch bald danach meine ersten größeren Solorollen, wie den Prinz in „Nussknacker“, tanzen. 2009 folgte dann meine Ernennung zum Solotänzer, daher habe ich Wien sehr viel zu verdanken.
Frage: In der aktuellen Produktion „Juwelen der Neuen Welt II“ werden Sie gleich in zwei Stücken zu sehen sein. Zum einen in William Forsythes „The Vertiginous Thrill of Exactitude“ und zum anderen in George Balanchines „Rubies“. Worin liegt die Qualität dieser Stücke?
Cherevychko: Obwohl ich bereits viele schöne Rollen hier in Wien tanzen durfte – demnächst auch wieder den „Basil“ in „Don Quixote“ – liegt mir dieser Abend ganz besonders am Herzen, weil ich für meine Interpretation in Forsythes „The Vertiginous Thrill of Exactitude“ für den Prix Benois de la Danse nominiert wurde. Die schauspielerische Komponente ist hier eher im Hintergrund, dafür verlangt einem dieser Abend gemeinsam mit „Rubies“ ungemeine Konzentration und – wie schon der Titel verrät – Exaktheit ab.
Frage: Sie sind ja vom Publikum gerade deshalb sehr geschätzt, weil sie neben ihrer glänzenden Technik, die Sie in den „Juwelen II“ vor allem zeigen können, auch ein ausgezeichneter und lebhafter Schauspieler sind. Wie viel davon ist harte Arbeit, wie viel davon macht Spaß?
Cherevychko: Ja, die Technik ist eine Grundvoraussetzung für diesen Beruf. Sie wird manches Mal ein wenig überbewertet. Darüber hinaus ist es aber ganz wichtig, das Publikum durch das Schauspielen für sich und das Stück zu gewinnen. Daran kann man immer arbeiten, und das macht eben dann die Persönlichkeit jedes einzelnen Tänzers aus. Nur wenn man den Charakter der Figur annehmen kann, aber trotzdem tänzerisch man selbst bleibt, wird man das Bestmögliche im Sinne der Choreographie erreichen können. Deshalb bin ich nach einer Vorstellung auch ganz schön geschafft und oft so aufgedreht, dass ich ganz lange nicht einschlafen kann.
Frage: Wie steht es mit der Probenarbeit zu den „Juwelen II“?
Cherevychko: Gut. Wir proben sehr intensiv, und Manuel Legris, der ja selbst in „Rubies“ getanzt hat, kann uns sehr viel mit auf den Weg geben. Durch ihn wird auch sein Lehrmeister Rudolf Nurejew für uns spürbar. Das hat eine große Magie.
Frage: Stichwort „Nurejew“. Da gäbe es ja noch ein paar Paraderollen oder?
Cherevychko: Ja, ein Traum sind für mich all diese großen Ballette, die Nurejew bearbeitet hat. „Schwanensee“, „Dornröschen“, aber auch MacMillans „Manon“ und die Choreographien von Roland Petit haben ihre Reize für mich. Mal sehen, was noch alles auf mich zukommt. Aber jetzt liegt mein Fokus auf den „Juwelen“.
Wiener Staatsoper
Juwelen der Neuen Welt II
Termine: 11., 13., 16. April, 12., 15., 17. Juni 2012

