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Interview mit Dagmar Kronberger

Dagmar Kronberger, Halbsolistin des Wiener Staatsballetts, erzählt uns über ihre neuen Perspektiven in Hinblick auf ihre Titelrolle in Boris Eifmans Ballettklassiker "Anna Karenina“, in der sie ab 24. März erstmals in der Wiener Staatsoper zu sehen sein wird, nachdem sie es bereits 2006 in der Volksoper Wien erfolgreich getanzt hatte.

Frage: Sie haben diese anspruchsvolle Rolle ja bereits vor rund fünfeinhalb Jahren in der Volksoper getanzt und damit einen großen Erfolg feiern können, und doch hat sich seit damals in Hinblick auf ihre Rolle der Anna Karenina für sie persönlich etwas verändert?

Kronberger: Die Roman- und Bühnenfigur Anna Karenina ist hin und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrem Kind, das sie mit ihrem gefühlskalten Ehemann Karenin hat, und der Sehnsucht nach ihrem leidenschaftlichen Liebhaber Wronski. Im Stück geht sie einen sicherlich nicht leichten Weg, indem sie ihr Kind unter Druck Karenins zurück lässt. Als ich mich 2006 auf diese Rolle vorbereitet habe, konnte ich dieses Gefühl sehr gut nachvollziehen, obwohl es sicherlich eine ganz schwierige Entscheidung war. Jetzt, da ich selbst Mutter einer dreijährigen Tochter bin, haben sich diese Perspektiven natürlich klar verschoben. Ich könnte mir niemals vorstellen, so einen Schritt zu setzen, obwohl ich nach wie vor auch die Sehnsucht Kareninas gut nachfühlen kann. Aber mein Privatleben ist auch nicht mit dem Anna Kareninas zu vergleichen. Ich muss mich zum Glück nicht entscheiden. Umso mehr ist es für mich natürlich eine Herausforderung, dieser Anna auf der Bühne einen authentischen Charakter zu verleihen.

Frage: Wie haben sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Kronberger: Ich habe selbstverständlich den Roman von Leo Tolstoj gelesen und muss sagen, dass Choreograph Boris Eifman diese Dreiecksgeschichte aus diesem doch sehr komplexen Handlungsablauf sehr gut herausgefiltert hat. Damit entsteht eine noch größere Konzentration auf Annas Leidensweg. In der Probenarbeit hat uns Eifman auch viel Raum für unsere individuelle Persönlichkeit gelassen. Für mich war Anna Karenina immerhin ja meine erste ganz große Solorolle, und außerdem ist es eine tänzerisch sehr anspruchsvolle Aufgabe, da es kaum Zeit zum Verschnaufen gibt. In den wenigen Momenten, in denen ich nicht auf der Bühne stehe, bin ich permanent mit Umzügen beschäftig.

Frage: Wie sehr hilft ihnen die Musik bei der Kreation ihrer dramatischen Gefühlswelten?

Kronberger: Die Musik von Tschaikowski passt wunderbar zu dieser Balletttragödie. Sie ist bestens ausgewählt und arrangiert. Als Tänzerin kann ich mich damit zu Hundertprozent identifizieren – vor allem auch in der dramatischen Schlussszene. Aber da möchte ich nicht zu viel verraten. Das soll sich das Publikum selbst anschauen kommen.

Frage: Sie sind ja auch die aktuelle Trägerin des bekannten Fanny Elßler Rings?

Kronberger: Ja, es freut mich ganz besonders, dass die ehemalige Erste Solotänzerin Jolantha Seyfried mich für diese Auszeichnung auserkoren hat. Ich denke, dass hier vor allem mein Stil und mein Ausdruck, wie ich an eine Rolle herangehe, ausschlaggebend waren, denn tänzerisch soll die Ringträgerin ja in einer gewissen Tradition mit der Namensgeberin stehen.

Frage: Sie habe abseits des Balletts ja auch immer wieder ein wenig ins Modelbusiness hineingeschnuppert.

Kronberger: Ja, Modenschauen und Fotoshootings waren immer eine willkommene Abwechslung zum Bühnenberuf.

Frage: Gab es für Sie jemals so etwas wie eine Traumrolle?

Kronberger: Als Ballettelevin träumt man natürlich immer von den Prinzessinnenrollen, als Teenager war dann die "Julia“ eine Rolle, die ich gerne gemacht hätte, aber als ich dann bereits über 1,70 cm groß war, hab ich mich davon auch schweren Herzens verabschiedet. Es ist zwar nicht immer leicht, zu so einer Erkenntnis zu gelangen, aber es hilft einem in diesem Beruf schon sehr viel, wenn man eine gesunde Selbsteinschätzung mitbringt. Und so habe ich in meinen frühen Jahren neben dem klassischen Repertoire oft und gerne auch unter Renato Zanella viele moderne Partien getanzt. Seit ein paar Jahren habe ich mit zunehmender tänzerischer Reife und Erfahrung mehr und mehr Gefallen am Schauspielen und Rollengestalten gefunden. Da ist mir damals "Anna Karenina“ gerade richtig über den Weg gelaufen.

Frage: Wo liegt sonst der Schwerpunkt ihres tänzerischen Interesses?

Kronberger: "Anna Karenina" ist für mich schon eine wunderbare Herausforderung. Es ist eine vielseitige Rolle, die von einer Tänzerin technisch, wie auch emotional alles abverlangt. Außerdem liebe ich die Arbeiten von Jiří Kylián, Paul Lightfoot, William Forsythe und Nacho Duato. Dort fühl ich mich tänzerisch sehr zuhause. Nach "Anna Karenina“ werde ich aber auch wieder als Zigeunerin in "Don Quixote“ in der Staatsoper und als Brambilla in "Le Concours“ in der Volksoper mein Bestes geben.

Wiener Staatsoper
Anna Karenina
Wiederaufnahme: 24. März 2012
Reprisen: 26., 28. März, 9. April 2012



 
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