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Benjamin bruns

„Bruns ließ einen imponierend entwickelten, geschmeidigen Tenor hören, der keine Registerbrüche, tadellose Höhe und viel Kraft und Nuancenreichtum zeigt“, so der Kritiker und Stimmen-Kenner Volkmar Parschalk nach einem Liederabend des jungen Tenors Benjamin Bruns im vergangenen Mai.

Bruns, seit 1. September 2010 Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, war in seiner Kindheit Altsolist im Knabenchor seiner Heimatstadt Hannover, studierte später Gesang, ist Preisträger mehrerer Wettbewerbe. Noch während des Studiums wurde ihm ein Festengagement im Bremer Theater angeboten, dem ein Engagement an der Oper Köln folgte. In der Spielzeit 2009/2010 war er Ensemblemitglied der Staatsoper Dresden, in den letzten Jahren absolvierte er Gastspiele etwa in München oder Berlin.

Das Wiener Publikum kennt ihn unter anderem als Conte d’Almaviva (Il barbiere di Siviglia) als Oronte (Alcina), Arturo (Lucia di Lammermoor) oder Basilio (Le nozze di Figaro). Diesen Partien fügt der deutsche Tenor im Juni nun eine weitere hinzu – den Tamino in der Zauberflöte. Für ihn freilich keine neue Rolle, sondern sogar die persönlich am häufigsten gestaltete. „Bisher sang ich den Tamino etwa 60-mal in sechs unterschiedlichen Produktionen“, erzählt Bruns. „Aber dennoch bleibt die Figur für mich spannend, alleine schon, weil jeder Auftritt etwas Neues ist. Und ich singe erstmals eine große Mozart-Partie mit dem Wiener Staatsopernorchester!“ Obgleich die Rolle so gut sitzt, dass sie Bruns „auch um vier Uhr morgens“ singen könnte, achtet er auf gute Vorbereitung. „Ich nehme auch diesmal Korrepetitionsstunden, denn Fehler können sich ja immer einschleichen. Der Korrepetitor, mit dem ich die Partie diesmal durchgenommen habe, fand bei mir sogar eine falsche Note in einer Ensemblestelle“, lacht er. Wie man sich aber eine Partie nach so vielen Auftritten frisch erhält? „Das ist kein Problem. Die Zauberflöte macht das – Herrn Mozart sei Dank – ganz von alleine. Es gibt Opern, die sich einfach nie abnutzen und immer faszinieren.“

Doch nicht nur auf der Bühne, auch im Zuschauerraum kann man Bruns immer wieder antreffen. „Ich denke, ein Sänger sollte sich auch möglichst viele Vorstellungen aktiv anhören, damit er nicht betriebsblind wird. Sonst besteht die Gefahr, dass er das Gespür verliert, wie er im Raum wirkt. Abgesehen davon lernt man beim Zuhören auch viel über sich selbst.“ Wobei sich, wie Bruns gesteht, das „professionelle Ohr“ bei einer Opernvorstellung kaum abschalten lässt. „Vor allem bei Tenören kann ich nicht einfach zuhören, sondern singe im Geiste mit. Am ehesten funktioniert dieses Abschalten und Nur-Zuhören noch bei Kollegen wie Jonas Kaufmann, wo einfach alles passt.“

Wohin sich seine Stimme voraussichtlich entwickeln wird? Bruns: „Bisher bin ich gut gefahren, indem ich es einfach auf mich zukommen habe lassen. Es zeichnet sich irgendwann ein Weg von selbst ab. Und ich habe gelernt, Wünsche mit Geduld zu behandeln. Gerne würde ich einmal im deutschen Fach landen – aber das darf ruhig noch zehn Jahre dauern ...“
Oliver Lang

 
bundestheater.at